Zom_Böse

Das „‘Menschliche’ am Menschen“ soll das Theater zeigen?

Das Un_menschliche an der Politik muß das Theater zeigen, nicht das davon losgelöste, symptomatisch ent_politisiert „Menschliche“, wie’s die Mächt’gen mögen.

Denn wem genügt es nicht, daß die Mächtigen es mögen, zeigt das Theater „Menschliches“, los_gelöst von dem die Menschen Unmenschlichmachenden der Politik ihrer Satelliten?

… Den Zom_Bösen?


«Verhülle dich, meinst du mich»,
sagte die Macht zur Wahrheit.


Freie Menschen sind es jedenfalls nicht, die sich mit dem Zeigen solch ach so menschlich daherkommenden „Menschlichen“ begnügen.

Demnach:

Gut aufgehoben ist das Illusionäre wo?

Im Zirkus.

Und das Politische?

Im Theater.


Und das bedeutet?

Diejenigen, die die praktizierte Politik in den zeitgenössischen lobbykratischen Gesellschaften verteidigen, sind Untertanen der Macht, keine freien Menschen.

Wie sollte das anders sein, treibt diese Politik den Menschen das Großzügige aus, so daß sie mickrig werden?


Was aber bedeutet das?

Daß es ver_kommen spät ist, mucken jene sich als edel Wähnende erst dann auf, sind ihre eignen Freiheitsgrade eingeschränkt, die andre noch nie hatten oder schon längst nicht mehr haben. Denn sie werden die ersten sein, die sich

mit eingeübter Eloquenz und unter
Verwendung systemisch geflügelter Worte

beizeiten gewohnt geneigt zeigen werden, wieder jenen mickrig machenden Druck auf andre auszuüben, der ihre Freiheitsgrade erst bedingt

— sind sie doch letztlich
Neurotisierte, keine Freien.

Denn welche Vorstellung von Freiheit könnte in ihren Köpfen um_gehen, wenn nicht eine in_adäquate, nämlich betriebswirtschaftlich basierte?

Ist das bewiesen?

Würde ich’s andernfalls behaupten? Nenn’ ich sie einfach nur so «prostituierte Intellektuelle»?[1] Schlimm ist ihre diesbezügliche Bewußtlosigkeit, immerhin resultiert _daraus_ weltweit gesellschaftspolitisch konsequenzenreicher Verlauf.

Wie sollte man solche
Intellektuellen nennen?

Zom_Böse? …



Ist denn die Wahrheit so häßlich,
daß sie nackt nicht zu ertragen ist?

Nein, es ist der Widerschein
der eignen Projektion.

Das Ausmaß der Projektion

Das Ausmaß der Projektion gibt nicht nur darüber Auskunft, wie emotional versaut man selbst ist, sondern auch über den Illusionsgrad eigener emotionaler Sauberkeit, der genau dem tatsächlichen Grad emotionaler Verkommenheit entspricht. Es dürfte einleuchten, daß, zur Vermeidung ihres Gewahrwerdens, das stetige Projizieren notwendig ist, da ansonsten ein _Projektionist_ nicht funktionsfähig bliebe. Einerseits ist das einem Projektionisten glücklicherweise nicht bewußt, andererseits ist es ihm genau aus diesem Grund nicht möglich zu sich selbst zu kommen, denn wesentliche Elemente seiner selbst hat er ja weg_projiziert, so daß es nicht ratsam wäre, ließe man ihn allein — wollte er sich _tatsächlich_ die Frage stellen: „Wer bin ich?“. Demnach liegt es auf der Hand, daß das projektionistische Phänomen nicht kleiner, sondern gefährlich größer würde, stellten Projektionisten die Sinnfrage kollektiv: „Wer sind wir?“[2]

Was tun?

Verschleire sie,
sagst du sie.

Die Wahrheit?

Ja.

Dann sag’ ich sie ja nicht mehr.

Doch, verschleierst du sie vorder_gründig, nicht hinter_gründig und sagst du sie ganz.

Denn bedenke:

sagst du sie nicht ganz,
wird sie zum Spielball der
lungernden Zom_Bösen.

Und so herrscht Mangel an dramatischem Stoff für zeitgenössisch politisches Theater nicht. Hingegen: Wer bringt heute die große Anklage auf die Bühne?



Was siehts du, schaust du aufs präsente
lokale wie globale politische Geschehen? …

Unter anderem, daß Macht imaginierte Wesenheit fürs korrumpierende Spiel neurotischer Charaktere ist.

Was noch?

Daß

zur blick- und denkverstellenden
Beneblung der PPP-Verwalteten

in ihrem Ohr kakophonisierende Berater liegen, in ihrem Mund charakterlich komplementäre Narrativ-Erzähler sitzen und

_deshalb_

anzunehmen ist, daß sich in ihrem After charakterlich komplementäre Lakaien drängen.

Was schließt du daraus?

Daß es nicht folgenlos bleiben kann, wird diese imaginierte Wesenheit von korrespondierenden Rülpsern und Fürzen so real wie systemisch geschüttelt.

Das trifft das präsente lokale wie globale politische Geschehen metaphorisch angemessen.

Das mag stimmen, aber wie dem auch sei, und wie gesagt, es herrscht kein Mangel an dramatischem Stoff für zeitgenössisch politisches Theater. Hingegen:

«Wer bringt heute die
große Anklage auf die Bühne?»
.


© Joachim Endemann (_EndemannVerlag_)


Sie erlauben wenigstens an dieser Stelle
Werbung für meine Bücher?
Immerhin habe ich mich darin beizeiten mit jenen
Tendenzen und Strömungen auseinandergesetzt,
die an der Basis dessen wirken, das jetzt offen zutage tritt.



_1 Siehe dazu in «Sie fragen noch, wie die ›Verhältnisse‹ liegen?», Aspekt 29: «Die Intellektuellen sind zu einem sehr großen Teil für jenes verantwortlich, welches sie anklagen»; und zur Verdeutlichung: a.a.O., Aspekt 28: „Über was reden wir? — Es gibt einen schon seit 520 Jahren währenden Weltkrieg“; sowie in: «Ist der Monotheismus von seiner Anlage her ein elementarer Faktor der Gewalt?», das Kapitel 7, dort ab der Seite 436, beginnend mit: „Vedânta bedeutet: ‘den Veden angehängte Schriften’“. (_In diesem Kapitel, d.h. von der angegebenen Stelle an, wird das behandelt, was in der Folge zu einer Mentalitätsprägung führte, die bis in die heutige Zeit destruktiv nachwirkt. Daß dies überhaupt möglich wurde und ist, hängt mit dem grundlegenden Problem des menschlichen Wesens zusammen: seiner Plastizität. Zu dieser Plastizität siehe in: «Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters», Band 1: «Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie? Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-Demokratie», Teilband 4, die Seiten 139-47, beginnend mit: „das Wesen des einzelnen Menschen ist […] plastisch …“.

_2 Quelle: Die tri_logische Sezierung […], Band III, Teilband 1, die Seiten 358 f.