Archiv für den Monat: Oktober 2020

Ihnen genügen die gebrachten Beispiele für die Feststellung nicht, daß Herr Nietzsche bei bürgerlichen Intellektuellen bleibend beliebt ist?

Nun, zwar spricht das Bände,
aber bitte,
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Identitätslose auf der Suche nach Identität

Auf der Suche nach „seiner“ Identität muß _der_ Mensch scheitern, der glaubt, diese durch „additive Übernahme“ der Identität des_jenigen Menschen erlangen zu können, an dem er sich — nach dem ersten familiär erfolgten Charakter-Auf_Prägen — als Identitätsloser erstmals orientiert, da eine Ab_Lösung von dieser „Identitätsübernahme“ immer dann erfolgen wird, sobald dem weiterhin Identitätslosen die Identität einer anderen Person nun als die für ihn gemäße erscheint: ja, so mag sich dieser denken: hat dieser andere Andre nicht sogar „seine“ Identität, die er — und des_halb ohne weiteres — bloß einfordert? … wobei dieses Meinen bis zur nächsten Identitätsschlüpfung währt. … Ist es dann nicht normal, ergibt sich daraus ein tiefgründiges Mißtrauen gegen das eigene Bewußtsein? Wie sollte der Identitätslose auch nicht mißtrauisch sein, übernimmt er mit der (_letztlich doch allein aus seiner Perspektive wahrgenommenen_) Identität eines anderen Menschen _ebenso_ das damit verbundene Bewußtsein (_das allerdings gleichfalls nur ein von ihm vorgestelltes sein kann_)? Ist es dann un_gewöhnlich, erliegt dieser identitätslose Mensch „dem Zauber der entgegengesetzten Denkweise“, die bedingt, daß er dem von ihm — in einer Phase „anders dominierten“ Bewußtseins — Ausgedrückten widerspricht? Denn, sollte anzunehmen sein, daß nichts an „Spuren“ seiner bisherigen „Identitätsschlüpfungen“ in ihm verbleibt? Macht ihn nicht dies zum „offenen Haus“, in dem ihm seine „Stimmungen“ wie ihn „Besuchende“ erscheinen? Wird vor diesem Hintergrund ein aphoristisch denkender Mensch nicht geradezu zwangsläufig dem „Zauber der entgegengesetzten Denkweise“ erliegen, so daß — dementsprechend — „seine“ Aussagen sich widersprechende sein müssen? Nachdem er manche Identitätsschlüpfung schon vollzogen und in ihm die sich mehrenden disparaten Identitätsschlüpfungsrückstände fordernd Wohnung bezogen haben: _welchen_ „Anker“ hätte dieser Mensch — sein Wesen — dann noch? Wäre so für den Identitätslosen ein „`eignes´ übergeordnetes Bewußtsein“ — bspw. das von seiner dominanten Mutter in ihm kernhaft angelegte: „du bist ein großer Mensch“ — nicht verlockend, daß es ihm als Anker diene? Was aber mag es dann _nicht allein_ sein, was in diesem Identitätslosen widerstreitet, hingegen vor allem auch: _wie_ mag sich das ereignen? Insbesondere dann, projiziert dieser Identitätslose alles Lebensschmächtige in sich selbst auf andere und nimmt sich das tatsächlich vom Bewußtsein der Machtelite eines Staates einst Produzierte, jenes also, das man gemeinhin „herrschende `Moral´“ nennt — und das immer wieder mittels ihrer Satelliten im Denken und Fühlen der Menschen ihres Staates (_also demjenigen, dieser Elite_) re_produziert wird —, das sich in der konkreten Erziehung, bspw. in der von der eigenen Mutter ihm gegenüber praktizierten, spezifisch bricht — und vielleicht zusätzlich dadurch ver_kompliziert, ist der eigene Vater des Identitätsloswerdenden in der Phase des Erzogenwerdens nicht mehr lebend und lebt die Mutter mit ihren Kindern in sozial gepreßten Verhältnissen —, zur Zielscheibe für seine Angriffe auf jenes macht, welches ihn _konkret_ behindert: die Einheit seines Wesens zu wahren; scheut er also die _konkrete_ Auseinandersetzung, bspw. die mit seiner — selbst sozial gepreßten — dominanten Mutter — und später immer genau dies, nämlich die konkrete Auseinandersetzung mit anderen Menschen meidend — also mit seinem Denken allein _abstrakt_ jenes Abstrakte (_die „herrschende `Moral´“_) angreifend, das die Einheit seines Wesens zu wahren behindert, da dieses dazu vorgesehen ist, sich — fremdbestimmt — „kollektiv identitär“ (_aus_gerichtet_) zu fühlen? Nun, wie könnte da ein Identitätsloser — sich lediglich in der (_möglicherweise gemachten, falls machtelitären Kreisen nützlichen!_) Berühmtheit unterscheidend — tendenziell (_also, zwar schon persönlich „gefärbt“_) anders enden als jener von bürgerlichen Intellektuellen geschätzte Herr Nietzsche? … Wieso mag der von diesen so geschätzt sein? Des_halb, da diese selbst identitätslos sind? Oder zeichnen sich bürgerliche Intellektuelle, u.a., etwa nicht dadurch aus, opportunistisch zu sein? Wie sollten diese sich, u.a., dadurch nicht auszeichnen, ist es doch gerade das, was aus machtelitärer Perspektive einzig gefragt sein kann? … Was sonst?



Dieser Text ergänzt diesen Text:

Wie dumm die bürgerlichen Intellektuellen wohl aus der Wäsche gucken werden?

Beide werden Sie in dem Buch verändert wiederentdecken, auf das bis auf weiteres mein schriftstellerisches Hauptaugenmerk gerichtet bleibt:

… ein paar Infos zu Band 15, der sich grade von selbst schreibt


© Joachim Endemann (_EndemannVerlag_)

Drei Hinweise, die Zitierungen:

„Zauber der entgegengesetzten Denkweisen“,

„`offenes Haus´, in dem ihm seine `Stimmungen´ wie ihn `Besuchende´ [_tatsächlich als `Gäste´ bezeichnet_] sind“

und

„Du bist ein großer Mensch“

betreffend:

Herr Nietzsche spricht vom „Zauber der entgegengesetzten Denkweisen“, was im hier gemeinten Sinne zu interpretieren ist, siehe dazu: eKGWB/NF-1885,2[155] — Nachgelassene Fragmente Herbst 1885 — Herbst 1886.

Auch spricht dieser „vornehme“ Herr „über Stimmungen“ im hier verwendeten Sinne, siehe dazu: Friedrich Nietzsche, Autobiographisches aus den Jahren 1856-1869, Edition Holzinger, abrufbar über diesen Link.

Die zitierte Bemerkung: „Du bist ein großer Mensch“, geschrieben von der Mutter des Herrn Nietzsche, als dieser noch ein Kind war, findet sich in: Nietzsche BriefwechselKritische Gesamtausgabe, hg. v. Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 1. Abteilung, 1. Band, Verlag Walter de Gruyter, Berlin, New York, 1975, „Briefe an Friedrich Nietzsche: Oktober 1849 bis September 1864“, die Seite 322.

Was die Bemerkung „`eignes´ übergeordnetes Bewußtsein“ anbelangt.

Dieter Just spricht in seinem 26. Aufsatz zu seiner Schriftenreihe: „Zu den philosophischen Fundamenten der Hitlerei-Barbarei“ vom „zweiten Bewußtsein“ Nietzsches (_ist als PDF-Datei abrufbar_). Da es sich dabei um die Schaffung eines „`eignen´ übergeordneten Bewußtseins“ handelt, erscheint mir die Bezeichnung: „`eignes´ übergeordnetes Bewußtseins“ deshalb besser, da in dieser Bezeichnung selbst deutlich wird, um was es sich bei dieser „zweiten Bewußtseinsbildung“ handelt. — „Eigen“ steht deshalb in An- und Abführungszeichen, da es sich dabei um einen unbewußten Rückgriff auf das handelt, welches man als (_eine in Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Status familiär erfolgende_) „Charakter-Auf_Prägung“ bezeichnen kann, die wiederum jenem „erste Form“ gibt, welches ich als „unbewußt erfolgende Charakter-Vorbahnung“ bezeichne, die in der intrauterinen Phase einsetzt und darauf hinweist, daß das menschliche Wesen vor allem plastisch ist (_siehe dazu in: Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters, Bd I, Teilband 4, die Seiten 139-47, beginnend mit: „das Wesen des einzelnen Menschen ist […] plastisch …“_).