In Beantwortung eines Posts auf der FB-Seite von Makroskop

Es geht um folgenden Post:

Um was geht es Heiner Flassbeck hingegen in seinem Essay? Nun, darauf aufmerksam zu machen, daß oft auch im Wissenschaftsbetrieb inkonsistent argumentiert wird, gezeigt an der Argumentationsweise des Philosophen Mathias Frisch.



(__Es ist nun einmal ein Unterschied,
ob ich das bekannte Phänomen der Gravitation
experimentell reproduzieren kann,
hingegen den Anteil eines der vielen
Klimafaktoren lediglich experimentell simuliert
verändern und das Ergebnis des sich dann
experimentell vollziehenden Simulationsprozesses
nicht reproduzieren kann
.__)



Den wesentlichen Teil der Flassbeckschen Kritik erlaube ich mir im folgenden zu zitieren, damit der Zusammenhang gewahrt bleibt:

[…]

Ist ein Standardmodell über viele Jahre oder gar Jahrzehnte von der Wissenschaftsgemeinschaft entwickelt worden, entwickelt es ein Eigenleben, das den Popperschen Vorstellungen von wissenschaftlichem Fortschritt widerspricht. Die gesamte Ausrichtung der Wissenschaft richtet sich am Standardmodell aus und wissenschaftliche Lorbeeren sind nur durch Modifikation des Modells zu erringen, nicht aber durch seine Infragestellung. In der Ökonomik geht das so weit, dass wissenschaftliche Journals konsequent Aufsätze ohne intensive Prüfung ablehnen, die sich nicht im Rahmen des Standardmodells bewegen.

[…]

Das Modell, auf das man sich geeinigt hat, wird schließlich zu einer Glaubenssache, weil die große Mehrzahl der Wissenschaftler die Annahmen und Voraussetzungen des Modells vollkommen ungeprüft übernimmt, ganz gleich, ob das gerechtfertigt ist oder nicht. Jeder, der sich explizit außerhalb des Modells bewegt oder auch nur Teile des Modells radikal in Frage stellt, hat von vorneherein eine gewaltige Rechtfertigungsaufgabe zu leisten. Er muss aufwendig begründen, warum er nicht zur Gemeinschaft der „Gläubigen“ gehört, während man sich für die Verwendung des Standardmodells niemals rechtfertigen muss.

[…]

Kommt, wie in der Ökonomik, bei der kritiklosen Verwendung eines Standardmodells auch noch eine große dogmatische Dimension hinzu (Markt versus Staat), tendiert die sich als Wissenschaft gerierende Glaubensbrüderschaft sogar dazu – wie ich das hier beschrieben habe –, ihr Modell als die bessere Wirklichkeit zu betrachten. Dann sind all diejenigen, die das Modell in Frage stellen, nicht nur wissenschaftlich suspekt, sondern auch dogmatisch unzuverlässig.

[…]

Quelle:

Flassbeck nimmt folglich die (__zumindest__) unzureichende Aussage eines Philosophen zum Anlaß, etwas Grundsätzliches zu benennen. Das ist positiv. Daß etwas Positives dann Denkreflexe auslöst, nun, daß bleibt nicht aus. Es ist aber nun einmal so, daß diese potentiell immer mögliche Inkonsistenz auch bei Aussagen von Wissenschaftlern zu bedenken ist.
 
Es geht also nicht darum etwas zu leugnen.
Das ist überhaupt nicht das Thema des Flassbeckschen Essays.
Denn um was es hingegen _immer_ zu gehen hat ist folgendes:  nicht aktionistisch etwas zu fordern, was in der Praxis nicht zu einer objektivierbaren Verbesserung führen kann, weil die Bedingungen nicht erfüllt sind, da man in seinem „hehren“ Fordern vergessen hatte, wie denn die ein Meter und fünfzig bis zur Realität zu überbrücken wären!
 
Konkret:
 
Ich „helfe“ dem Klima am meisten, wenn ich gesellschaftliche Bedingungen schaffe, die es der Masse der Menschen erlauben, von ihrem Einkommen nachhaltig zu leben, denn _das_ erst ermöglicht nachhaltig produzierte Güter in einer Quantität herzustellen, daß sich das klimatisch verbessernd auswirken kann.
 
(__Was nachhaltiges Produzieren zu bedeutend hat
und wie das zu realisieren ist, wäre vielleicht noch zu definieren?
__)
 
Das bedeutet als _erstes_ jedenfalls:
 

Wer nicht über die Goldene Lohnregel reden will, sondern nur darüber, daß nun !_sofort_! etwas gegen den „Klimawandel“ getan werden müsse (__Klimawandel ist ein Prozeß, den es seit Bestehen der Erde gibt__),  der verhält sich so, wie es „Freischwebler“ tun: sie schweben konstant ein Meter fünfzig über der Realität der normalen Menschen.


Ohne die Masse der realen Menschen bekomme ich keine Änderung des Produktionsprozesses hin, folglich keinen klimawandelrelevantes Gegensteuern. Dazu muß man dann auch zur Kenntnis nehmen, daß das mit unseren Politikern nicht zu machen ist. Und hier schließe ich die Grünen ausdrücklich mit ein: auch diese sind nichts anderes als Tamtamisten!


Das zeigte sich _erneut_ bei den „Koalitionssondierungsverhandlungen“ 2017, als die Grünen, laut Aussage von Herrn Trittin, ihre umweltrelevanten Programmpunkte bereit waren zu schmeißen, nur um in die Regierung zu kommen — ich glaube nicht, daß diese Figuren jetzt ihren Hype hätten, wären diese aktuell regierungsbeteiligt. Dies zu behaupten ist erlaubt, da die Praxis das bestätigt, und da bräuchte ich jetzt an sich gar nicht an die Rot-Grüne-Koalition zu erinnern, die in der 2000er Jahren jene Sauereien gewollt und politisch umgesetzt hatte, die _jetzt_ mit zu einer Situation betragen, die es verdammt schwer macht, den Leuten zu erzählen, sie müßten nun aber Zack, Zack ihren Lebenswandel ändern, da, bspw. bis 2100 mit einem Anstieg des Meeresspiegels von über zwei Metern zu rechnen sei.


In diesem Zusammenhang ist auch die Erkenntnis hilfreich, daß mit „unserem“ Politpersonal (__und damit meine ich _bspw._ alle im Bundestag und in der Assemblée nationale einsitzenden Politiker__) nichts wirklich Konstruktives umzusetzen ist, das belegt die Praxis zur Genüge: ich mache jetzt nur darauf aufmerksam, daß die Offshore-Windenergie-Nutzung schon die nächste Umweltkatastrophe erwarten läßt; abgesehen davon, daß die Stromtrassen, die gebaut werden müssen, um den Strom von dort, bspw. nach Bayern zu transportieren, nicht nur der blanke Witz sind, sondern daß in Deutschland der nicht abnehmen wollende Braunkohleanteil primär daher kommt, daß von dort bisher noch gar nicht ausreichend geliefert werden kann, Geld an die „Betreiber“ aber dennoch fließt!
 
Damit will ich ausdrücken, daß der ganze Ansatz der „Kurzatmigen“ auf Aktionismus aus, folglich falsch ist! Und damit meine ich selbstverständlich nicht, daß nichts getan werden müsse: ich spreche von Aktionismus! — sondern das Richtige zu tun wäre, aber durch Aktionismus nicht getan wird: man stürzt sich wie ein Neurotiker auf sein nächstes „Umweltding“
(__“E-Mobilität“, „Car-Sharing“, modern anmutende Begriffe, nicht wahr?__),
bevor überhaupt abgeschätzt werden konnte, welcher Art die „Folgekosten“ dann sein würden!
 
Und einfach zu behaupten: „wir müssen den Planeten retten“, um dann die Vermögenssteuer abzuschaffen und die Kosten für diejenigen weiter zu erhöhen, die sich das weder leisten können noch eine adäquate Alternative geboten bekommen, bspw. in Form eines flächendeckend entwickelten öffentlichen Verkehrssystems zum Nulltarif
 
(__das wäre übrigens eines der möglichen

[__und notwendigen!__]

Superinvestitionsprogramme für die EU …
aber wer seine „Schwarze Null“ liebt,
kann ohne Aktionismus überhaupt nicht auskommen
— alle lieben diese „Null“,
sieht man von semantischen Oppositions-Pirouetten ab__),
 
will die Leute für dumm verkaufen, oder, wie gesagt, schwebt konstant einen Meter fünfzig über dem Boden. Ich wüßte nicht, was derjenige der Masse der Menschen für _diese_ Praktizierbares erzählen könnte. … So las ich letztens in diesem Zusammenhang folgenden Satz auf der FB-Seite von „Friday for future“:
Wir sollten Grund zur Panik haben.
Meine Antwort darauf war:
Nun, das ist ein gefährlich schlechter Ratschlag. Schon deshalb, da derjenige, der in Panik ist, nicht überlegt und deshalb nicht mehr rational zu agieren befähigt ist. Das ist übrigens unabhängig vom Alter, hingegen entscheidend abhängig vom eigenen Aufgeklärtsein — welches beinhaltet, Zusammenhänge zu erkennen und, was ich bspw. erreiche, wenn ich das eine zwar lasse, das andere aber unzureichend durchdacht umsetzen will (__man denke an Bioethanol__). Andernfalls reicht’s lediglich zum Absondern von Schlagworten — und belastet somit lediglich das Klima.
RANDSTÄNDIGE FRAGE:
 
“Inwiefern kann ein Exportüberschußweltmeister tatsächlich etwas zu einer _konstruktiven_ Entwicklung von gesellschaftlichen und natürlichen Umweltzusammenhängen beitragen — also abgesehen von der sattsam bekannten Tamtam-Sprücheklopferei?”
 
RANDSTÄNDIGE BEMERKUNG:
 
Die klimatischen Verhältnisse auf der Erde entwickeln sich prozeßhaft. Da das so ist, läßt sich eine im Rahmen dieses Prozesses ablaufende klimatische Änderung, wobei jetzt die Ursache keine Rolle spielt, da dies grundsätzlich so ist, nicht zurückführen, sondern es kommt, auf welcher Ebene auch immer, zu einem neuen „Prozeß-Verhältnis der beteiligten, erdgebundenen Klimafaktoren“. Da das so ist, wäre zwar theoretisch dem Klima zu dienen, verlangte man einen sofortigen Stop aller von Menschen verursachten Produktionsprozesse, nicht aber den menschlichen Gesellschaften: denn das führte zwar in einen Chaotisierungsprozeß dieser Gesellschaften, in der Folge dann aber zu keiner Verbesserung des natürlichen Klimas. Also ist ein Vorgehen notwendig, daß kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen beinhaltet, wobei „kurzfristig“ etwa zehn bis dreißig Jahre bedeutet. Nur um den Zeitrahmen abzustecken.
 
ABSCHLIESSENDE BEMERKUNG:
 

Was ist also entscheidend? Nun, daß ich mit der notwendigen Gelassenheit _konsequent_ mit dem Richtigen sofort beginne. Das aber sehe ich bei den „praktizierenden“ Aktionisten nicht.



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Immerhin habe ich mich darin mit jenen
Tendenzen und Strömungen auseinandergesetzt,
die an der Basis dessen wirken, das jetzt offen zutage tritt.
— Das heißt diese Auseinandersetzung erfolgte beizeiten
.



 © Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)