Anmerkungen zur Rede Donald Trumps anläßlich seiner Amtseinführung

Aus meiner Sicht ist diese Rede vor dem Hintergrund des nachfolgenden Zitats zu lesen, das zudem verdeutlichen könnte, daß es eine lange Tradition gibt, die solchen Figuren erst den Bühnenhintergrund gab und gibt, denn Donald Trump ist lediglich deren auf die Spitze getriebene Fortsetzung.


[_Anker-Link zum Dreiser-Zitat__]


Und _insofern_ verstehe ich zwar die Aufregung der deutschen Elite-Vertreter, aber nicht deshalb, da die berechtigt wäre, denn das ist sie nicht, gehören die doch selbst dieser

(__verursachenden__)

Tradition an, und zwar offenbar zusätzlich noch und weiterhin deutlich geprägt vom

(__wenn auch zeitlich angepaßten und mit einer gewissen dadaistisch-surrealen Komponente angereicherten__)

Wilhelminismus, wie sie schon seit dem Ende des Kalten Krieges mit zunehmender Tendenz an den Tag legen.

(__Zum “Wilhelminismus” vgl.:

Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie? Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-Demokratie

, dort u.a. die Fußnote 414 auf den Seiten 490-493.

Was es auf sich hat mit der Bemerkung: “dadaistisch-surreale Komponente”, und zwar insbesondere in Verbindung mit “Lobbykratie”, findet sich erläutert in:

Zwischenrufe in satirisch-politischen Variationen oder Reale Betrachtungen dadaistisch-surrealer Phänomene in der Lobbykratie

, dort die Fußnote 1 auf den Seiten 1-4.__)

*  *  *

Es lohnt der Blick auf das Datum des folgenden Zitats, das auf das Jahr 1931 datiert und sich in dem 1932 als Bericht erschienenen Buch Tragic America von Theodore Dreiser findet, dessen Quellenangaben am Ende dieses Textes vollständig angegeben sind:

[…] Das zutiefst Beunruhigende am heutigen Amerika ist, daß es als ausgemacht gilt, daß dem talentierten und starken Menschen, obwohl egozentrisch, selbstsüchtig und vollständig unsozial, trotzdem keine Zügel angelegt werden sollten, da er Teil eines mutmaßlich ganz und gar sozialen Staates sei, der eingerichtet worden war, das Recht auf Chancengleichheit zu garantieren. Aber Chancengleichheit kann unmöglich ein Freibrief sein für den Durchtriebenen und Raffgierigen, der Nutzen aus dieser Chancengleichheit zieht bei der Etablierung von bestimmten, oder anders ausgedrückt, unbegrenzten persönlichen Sonderrechten, verbunden mit der damit einhergehenden Macht, wohingegen die restlichen neunzig bis fünfundneunzig Prozent der Bürger dieses Landes vergleichsweise nur schlecht zurechtkommen.

[…] Von dem Ausgangspunkt ausgehend, wo ein geschicktes Individuum Millionen und sogar hunderte von Millionen Dollar auf eigene Rechnung zusammenraffen und reinvestieren konnte, sind wir an einen Punkt gelangt, wo es heutzutage nicht mehr auf sich allein gestellt ist, Banken, Geschäfte, Unternehmen und dergleichen zu gründen, sondern zu diesem Zweck sich andere mit ihm verbinden, wodurch sie (und ohne annährend so viele Schwierigkeiten wie früher) jetzt selbst die Staatsführung dirigieren. Denn auf wen hört man innerhalb oder außerhalb der gesetzgebenden Versammlung, in den Bundesstaaten oder ihren Städten und Gemeinden […]? Diese, durch ihre kombinierten Instrumente – Politiker, Polizei, Gerichte, Anwälte, und wen sie sonst noch für sich arbeiten lassen und bestimmen mögen – sind nunmehr nicht nur in der Lage ihre gemeinsamen Millionen oder Milliarden zu bewahren, sondern ihnen auch weitere hinzuzufügen. Mehr noch, indem sie dies tun, legal oder illegal, und dabei stets mit Billigung der Regierung, und merken Sie es wohl, benutzen sie diese [Millionen] nicht nur dazu, jeden Wettbewerb zu zerstören, sondern zwingen auch die Regierung und das Volk, unter deren Auge und durch dessen Unwissenheit sie zu einer solchen Kraft geworden sind, oder durch die Gleichgültigkeit beider, sie dabei zu unterstützen. […]

Es sei nun diesem auf das Jahr 1931 datierende Zitat das folgende, aus dieser Rede von Donald Trump entnommene beigesellt, da beide den gesellschaftspolitischen Ist_Zustand der USA treffend benennen — und es eigentlich überraschen müßte, wie es möglich sein konnte und offenbar weiterhin sein kann, daß jene Eliten

(__ob in den USA selbst oder nicht anders, wenn nicht gar noch schlimmer, jene, die bestimmend für die deutsche Politik ist__)

, die anderen erzählen wollen, wie die Welt aussieht und die verlangen, daß nach ihren Vorgaben, nicht nur eine einzelne Gesellschaft mit ihrer Wirtschaft zu organisieren sei, sondern möglichst sogar die ganze Welt, den in beiden Zitaten zum Ausdruck kommenden, tatsächlichen Verhältnissen gegenüber so völlig ignorant geblieben sind und die, ginge es nach ihnen, wohl derartig beschaffen bleiben sollten.

Zu lange hat eine kleine Gruppe in unserer Hauptstadt die Früchte unserer Regierung eingeheimst, während die Menschen die Kosten tragen mußten. Washington blühte, aber die Menschen hatten keinen Anteil an seinem Reichtum. Politiker kamen voran, aber die Arbeitsplätze gingen verloren und die Fabriken wurden geschlossen.

Die Führungsschicht läßt sich schützen, nicht aber die Bürger unseres Landes. Deren Siege sind nicht eure Siege gewesen, deren Triumphe sind nicht eure Triumphe gewesen, und während diese in unserer Hauptstadt gefeiert wurden, gab es wenig zu feiern für sich abrackernde Familien überall im Lande. […]

Was wirklich zählt ist nicht, welche Partei die Regierung stellt, sondern ob unsere Regierung vom Volk kontrolliert wird. […]

Allerdings! für zu viele unserer Bürger gibt es eine andere Wirklichkeit: Mütter und Kinder in unseren Innenstädten in Armut gefangen; verrottete Fabriken, wie Grabmale verstreut über die Landschaft unseres Landes. Ein zwar mit Finanzmitteln überschwemmtes Schulsystem, ließ unsere jungen und schönen Studenten unwissend, und das Verbrechen, die Banden, die Drogen haben zu viele Leben gestohlen und unserem Land so viel ungelebtes Potential geraubt. […]

Eine Fabrik nach der anderen wurde stillgelegt und verließ unser Land, ohne einen Gedanken zu verschwenden für unzählig zurückgelassene amerikanische Arbeiter. Der Wohlstand ist unserer Mittelklasse entrissen und über die ganze Welt verstreut worden. […]

Wir müssen unseren Verstand offen sprechen lassen, wir müssen unsere Meinungsverschiedenheiten offen erörtern, aber allzeit Solidarität üben. […]

Das erste Zitat stammt von einem Sozialisten, das zweite von einem als konservativ geltenden Republikaner, dem man sogar faschistoide Tendenzen nachsagt. Es sei dahingestellt, was daran stimmt oder nicht, denn den US_Amerikanern traue ich es zu, sich im Bedarfsfall von etwaigen Versuchen selbst zu befreien.

Nun, die zitierten Elemente dieser Rede Donald Trumps wären einer Frau Clinton gewiß nicht über die Lippen gekommen. Womit dann auch klar ist, auf welcher Seite all jene tatsächlich stehen, wenn sie einerseits keine entsprechend scharfen

(__und überzeugend gesprochenen!__)

Worte für einen sich als Demokratie verstehende Gesellschaft unhaltbaren gesellschaftlichen Ist_Zustand gefunden hatten,

_s o n d e r n_

fest davon überzeugt blieben

(__und offenbar bleiben wollen__)

, daß lediglich “dumme” US-Amerikaner Trump wählen könnten, bzw. konnten.

Das heißt solche Eliten sind letztlich verantwortlich für den Sieg Donald Trumps!

*  *  *

Im Gegensatz zu anderen, sehe ich in Donald Trump aber weniger eine Bedrohung als eine Herausforderung. — Da allerdings fängt die Schwierigkeit an, denn ich sehe keine relevante Partei, ich sehe kein relevantes politisches Führungspersonal, weder in Deutschland, noch in Europa, noch sonstwo, das ich als ausreichend vertrauenswürdig ansehen würde, die aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklung substantiell zu wenden in Richtung auf jenes, das erst als eine demokratische Perspektive für die Masse der Menschen gelten könnte,

nämlich substantielle Teilhabe
am gesellschaftlichen Entwicklungsprozeß.

Daß das so ist, hängt aus meiner Sicht wesentlich damit zusammen, daß die Eliten der neoliberalen Hauptstaaten in entsprechenden Denkmustern befangen und entweder nicht willens oder intellektuell nicht in der Lage sind, ein scheuklappenfreies Handlungskonzept jenseits solcher Denkmuster zu entwickeln, geschweige denn umzusetzen

so eingebunden wie die sind.

Obwohl doch Donald Trump dazu die ultimative Aufforderung wäre und nun sogar weltweit eine ausreichende Sensibilisierung in der Masse der Bevölkerung vorhanden zu sein scheint, ein solches Handlungskonzept in die Tat umzusetzen

wozu mein eigenes grundsätzlich bestens dienen kann.


Daß insbesondere die deutsche Elite dabei offenbar nicht mittun will, hat aus meiner Sicht damit zu tun, daß die

(__und zwar weit mehr als ihr selbst bewußt__)

eingebunden ist in den alten wilhelministischen Traum, die Welt so “(neo-)wilhelministisch” zu “trimmen”, wie ihre Vordenker und -redner es mit Europa schon seit Jahren versuchen

so heuchlerisch wie selbstschädigend
, also letztlich wie eh und je scheiternd.

*  *  *

Und nun verlangen

_Sie_

nach Gründen und Belegen für meine, insbesondere die deutsche Elite betreffende Behauptung?

Also wissen Sie, im Gegensatz zu anderen, die sofort wissen, wo der Hase langläuft, obwohl dessen Löffel kaum zu sichten sind, baue ich meine Behauptungen nicht auf Sand.

Das heißt solche Gründe und Belege finden sich reichlich — bspw. in den oben genannten Büchern sowie in meinen Beiträgen

unter “Statements” sowie unter “eigene Videos”.

Rede an die deutsche Elite: „Totalschaden!“

© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)

Quelle des ersten Zitats:

Theodor Dreiser, Tragic America, first published by Constable and Company Ltd., London, 1932 (Copyright by Theodore Dreiser, 1931), Seiten 14 f. (__eigene Übersetzung__).

Übrigens sollte dieser, als Ergebnis und unter dem Eindruck einer langen Reise durch die USA abgefaßte Bericht, nicht mit seinem Ende 1925 erschienenen Roman An American Tragedy verwechselt werden.

Quelle des zweiten Zitats:

Auszug aus der Rede des US-Präsidenten Donald Trump anläßlich seiner Amtseinführung am 20. Januar 2017. (__Eigene Übersetzung dieses Auszugs aus dem Transkript dieser Rede__).

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