Wohl eingebettet wird sich die folgende Passage an einer _gewissen_ Stelle meines neuen Buches finden, das vermutlich erst in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres sein Erscheinen feiern kann.

_Ist_ die Verwendung der Sprache ein

stratagem to cover nakedness

(__Harold Pinter__)

also ein Mißbrauch der Sprache, gilt dies fürs Interpretieren von Sachverhalten nicht anders, werden vorher nicht sämtliche verfügbaren Daten herangezogen und in Beziehung gesetzt, sondern nur bestimmte. Ein solcher Mißbrauch muß erst recht möglich werden, fehlt dem „Interpretieren“ per se die belegende Basis. 

Anzunehmen ist, daß der Mißbrauch der Sprache und des Interpretierens einst mit der Klassenbildung menschlicher Gesellschaften einherging, bzw. notwendig wurde.

Zumindest ist es nicht einzusehen,
wieso die Prähistorischen die Sprache entwickelt hatten,
um dann nicht das zu sagen,
was sie zu sagen hatten.



Im übrigen bedeutet „prähistorisch“ nicht,
sprachlose Menschen vermuten zu müssen

— zumal es eine Frage ist,

wann man „prähistorisch“ ansetzt,

immerhin ist alles prähistorisch,
was ohne Schriftdokumente ist,
von dem es aber andere Zeugnisse gibt,

und:

Sprache ist zuerst gesprochene Sprache,
erst später wurde eine Verschriftung der Sprache notwendig,
wofür es verschiedene Gründe gibt,
zu denen aber komplexer gewordenes

_nicht_

Denken gehört.


Und da berechtigt zu vermuten ist,
daß sie noch im Zusammenhang wahrnahmen,
war jenes,
das sie sagten,
nicht einmal

„lediglich“

aus ihrer Sicht gesagt

— im Gegensatz zu heute,
wo man in seine Rede

aus meiner Sicht

einfließen läßt,
denn das signalisiert:

ich bin aufgeklärt,
d.h. tolerant

… also rhetorisch.



Insofern geht mit Klassenherrschaft einher, den Menschen ins Gesicht lügen zu müssen — da das dann keine Frage des Wollens oder des Nichtwollens mehr ist, denn es entspricht ihrer inneren Logik.

Daraus ergibt sich allerdings zwingend,

ein „Moralsystem“ in den Köpfen der
Masse der Menschen zu verankern,

so daß vom einzelnen Menschen
verlangt werden kann:

„lüge nicht!”.

Obwohl doch das
menschliche Wesen
von sich aus gar keine
Neigung zu lügen zeigt,
zumindest keine,
die von vornherein ein
Zwangssystem forderte …

Daraus ergibt sich nicht nur ein

(__konstruktiv__)
un_auflösbarer Widerspruch,

sondern diese Zwangsmoral macht die Menschen

kollektiv zu Neurotikern,
die die Spin_Doktoren

solcher Herrschaft

immer wieder eine neue
„große“ Lügengeschichte erfinden

und erzählen läßt

— deshalb auch

in_offiziell

„Erzählung“ genannt,

wenn auch ab und an

„eingestreut“

verlauten lassend:

Wir brauchen eine neue Erzählung!

oder,

da manche Spin_Doktoren meinen,

das sei wichtig:

Wir brauchen ein neues Narra_tiv!


Wessen Geist mag es sein,
der durch die Zeiten menschlicher Geschichte west?

Wenn es aber so ist,
daß die Sprache sowieso ein ungeeignetes Mittel ist,
Wirklichkeit abzubilden,
wäre es dann nicht besser zu schweigen?

Ok,

geht in einer durchneurotisierten Gesellschaft nicht,
hieße ja,
die eigene
„nakedness“
zu „sehen“.

Wie dem auch sei,
persönlich fände ich es richtig,
wären alle Menschen blind und schwiegen,
denn erst so hätte jenes wohl Chance auf Verwirklichung,
das fehlt:

Ohne Ansehung der Person,
das menschliche Wesen zu „sehen“.

Ich halte es für un_wahrscheinlich,
daß das für Prähistorische eine
naive Forderung gewesen wäre

— denn es wäre eine
un_notwendige gewesen.



© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)


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Immerhin habe ich mich darin mit jenen
Tendenzen und Strömungen auseinandergesetzt,
die an der Basis dessen wirken, das jetzt offen zutage tritt.
— Das heißt diese Auseinandersetzung erfolgte beizeiten
.