Was beruhigend ist …

Ein Deus absconditus ist zwar eine mittels menschlicher Denkkraft geschaffene Vorstellung, die sich in einem ebenfalls mittels menschlicher Denkkraft geschaffenen Glaubensgebäude frei bewegen kann, die dem Menschen deshalb „unerkannt“ bleibt, da sie ihm, wie der Name schon sagt, nicht erscheint, die aber _nicht_ trotzdem, sondern erst des_wegen seinen Erschaffern bzw. Vertretern erlaubt, jeden von ihnen verursachten gesellschaftspolitischen Dreck zu rechtfertigen.

Müßte sich aber dieser „verborgene Gott“ offenbaren, also zum Deus revelatus werden, entpuppte sich seine ihm von seinen Vertretern zugesprochene Wirkkraft als nicht von ihm ausgehend, sondern von der Machtelite und deren Satelliten, die diese Fiktion phantasiert und der Masse der Menschen als „Anbetungsgröße“ vorgesetzt hatten und weiterhin vorsetzen.

— Das Gesagte gilt nicht nur für die
„spirituellen Theismen“,
sondern auch für „säkulare“,
von denen der Neoliberalismus einer ist.

Das heißt ein Deus absconditus ist der letzte Rettungsanker einer jeden „spirituellen“ wie „säkularen“ Religion — und damit einer jeden gegen die Masse der Bevölkerung gerichteten Politik. Denn ein Deus revelatus würde „offenbaren“, daß Gott eine Fiktion ist, und jede ausgekungelte (__also verborgen abgesprochene__) Politik für die Masse der Menschen nachteilig ist. Käme es aber zu

_dieser_

Offenbarung, müßten die Menschen erkennen, daß sie — solange sie als Spezies existieren — mit folgenden Fakten konfrontiert sind.

1. Da das Universum pulsierend existiert, „entwickelt“ es sich weder teleologisch noch funktioniert es anthropozentrisch.

2. In einer bestimmten Phase des pulsierenden Universums bestehen für die verschiedensten Seins-Möglichkeiten günstige oder ungünstige Bedingungen.

3. Die Dauer solcher Bedingungen in einer bestimmten Pulsationsphase des Universums ist unbekannt.

4. Die „pulsierende Entwicklung“ einer Spezies in der für sie günstigen Pulsationsphase des Universums verläuft nach dem Prinzip „Zufall und Notwendigkeit“: zufälligerweise einmal entstanden, „entwickelt“ sich eine Spezies notwendigerweise gemäß ihren potentiellen Möglichkeiten, also —da Mikrokosmos im Makrokosmos — ebenfalls nicht teleologisch.

5. Eine Spezies, die nicht instinktgesichert ist, deren Individuen sich sozusagen „plastisch“ an die natürlichen Umweltbedingungen und an die gesellschaftlichen Umweltbedingungen anpassen — wie es bei der Spezies Mensch der Fall ist —, kann die Zeitdauer der für sie günstigen Pulsationsphase des Universums „bewußt“ nutzen, um ihr volles Potential in dem für sie dann möglichen Da_Sein zu entfalten — oder auch nicht, denn sie kann es auch lassen.[__*__]

6. Ob eine nicht instinktgesicherte Spezies dazu kommt, ihr volles Potential in der Zeitspanne der für sie günstigen Pulsationsphase des Universums in dem für sie dann möglichen Dasein zu entfalten, ist allein von ihr selbst abhängig.

7. Nutzt eine nicht instinktgesicherte Spezies die für sie günstige Pulsationsphase des Universums nicht, wird sie zwar zu einem „Irrläufer“ der für sie potentiell günstigen Pulsationsphase des Universums, was aber allein für die betreffende Spezies existentielle Aus_Wirkungen hat, da sie dann lediglich die Zeitspanne der für sie günstigen Pulsationsphase des Universums nicht voll ausschöpft. Abgesehen von diesen Auswirkungen ergeben sich daraus keine weiteren Nach_Wirkungen für diese Spezies selbst, da sich, wie gesagt, die Pulsation des Universums weder anthropozentrisch noch teleologisch ereignet.

8. Nutzt eine nicht instinktgesicherte Spezies die für sie günstige Pulsationsphase des Universums zur vollen Entfaltung ihres Potentials, wird sie zwar zu einer „voll entfalteten Spezies“ der für sie potentiell günstigen Pulsationsphase des Universums, was aber allein für die betreffende Spezies existentielle Aus_Wirkungen hat, da sie dann die Zeitspanne der für sie günstigen Phase des Universums _voll_ ausschöpft. Abgesehen von diesen Auswirkungen ergeben sich keine weiteren Nach_Wirkungen für diese Spezies selbst, da, wie schon gesagt: die Pulsation des Universums sich weder anthropozentrisch noch teleologisch ereignet.

9. Eine Spezies kann den Zeitraum der für sie günstigen Pulsationsphase des Universums nicht verlängern, aber apokalyptisch verkürzen.

10. Aus den Punkten 1-9 ergibt sich, daß die Spezies Mensch es selbst in der Hand hat, ob sie weiterhin von Machteliten und deren Satelliten es verhindern läßt, daß sie ihr volles Potential entfaltet — und so zum „Irrläufer“ der für sie potentiell günstigen Pulsationsphase des Universums werdend —, also die Zeitspanne dieser Phase _nicht_ zu ihrer vollen Entfaltung zu nutzen, oder doch noch, nämlich vor Ablauf der für sie relevanten Zeit der für sie potentiell günstigen Pulsationsphase des Universums, zu einer „voll entfalteten Spezies“ zu werden.

Aus diesen aufgeführten Fakten ergibt sich, daß sich, abgesehen von den damit einhergehenden existentiellen Aus_Wirkungen, keine weiteren Nach_Wirkungen für die Angehörigen dieser Spezies ergeben, da, es sei wiederholt, die Pulsation des Universums sich weder teleologisch noch anthropozentrisch ereignet, es folglich für den universellen Pulsationsprozeß als solchen weder entscheidend ist, ob die Masse der Angehörigen dieser Spezies es weiterhin zuläßt, daß Machteliten und deren Satelliten es verhindern können, daß sich das Potential des Menschengeschlecht volle entfaltet, oder ob die Masse der Angehörigen dieser Spezies beginnt, die für sie relevante Zeit der für sie potentiell günstigen Pulsationsphase des Universums zur vollen Entfaltung ihres Potentials zu nutzten.

Ist das nicht beruhigend?


Dieser Text findet sich im Nachwort meines neuen Buches, das wahrscheinlich
im April 2020 als Band 8 der Edition !_scheuklappenfrei_! erscheint.


© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)

_1 Was die „Plastizität“ des Menschen anbelangt, siehe in: Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters, Band I, Teilband 4: „Der Lösungsweg“, dort die Seiten 139-47, beginnend mit: „[…] das Wesen des einzelnen Menschen ist […] plastisch […]“.