« Oder anders gesagt »

[…] Es gibt nichts Furchtbareres als einen barbarischen Sklavenstand, der seine Existenz als ein Unrecht zu betrachten gelernt hat und sich anschickt, nicht nur für sich, sondern für alle Generationen Rache zu nehmen. […]

Es gibt keinen naturgegebenen
„barbarischen Sklavenstand“, Herr Nietzsche.

Es gibt auch keine naturgegebenen „Vornehmen“. Hingegen gibt es viel Verrat am menschlichen Wesen, der allein wegen seiner Plastizität möglich ist.[_1_] Wer mag diesen gutheißen und vollziehen? Machteliten und ihre prostituierten Intellektuellen, die „Erzählungen“ fürs Volk erfinden, um seine Versklavung verdeckt zu halten.


Wie man „Volk“ richtig zu definieren hat? Beispielsweise so wie in: «Sie fragen noch, wie die ›Verhältnisse‹ liegen?» auf den Seiten 337 ff. skizziert, beginnend mit: „… folgendes ist keine politische Geschmacksfrage …“.


Folglich sind die „ersten Barbaren“ diese Machteliten und ihre prostituierten Intellektuellen. Nicht erst seit heute, gewiß, aber dennoch sind auch _diese_ systemischen Produkte nicht naturgegeben. Denn ein freier Mensch weiß, daß er keineswegs frei ist, ist er das auf Kosten anderer. Wie sollte dann Ihr „Sklavenstand“, den Sie einen „barbarischen“ nennen

Sie meinen also, daß es auch einen
nicht-barbarischen Sklavenstand gäbe? —,

nicht barbarisch sein, sind seine Mitglieder letztlich das Ergebnis einer auf Ausbeutung beruhenden Gesellschaftsformation, die allein deshalb eine barbarische sein muß?

Wer will, kann das aktuell erkennen.


Nicht daß das in der Vergangenheit
nicht erkennbar gewesen wäre, aber die meisten Intellektuellen begnügen sich mit Gedankenakrobatik. Und so hat es fast etwas Lustiges, entdecken sie _nun_ jenes, das längst im Schwange ist: „Wir sind mehr!“; „Keinen Millimeter nach rechts!“ usw., bzw. im Moment scheint’s ihnen um „Kultur“ zu gehen.

… Wenn ich dazu vielleicht einmal etwas anmerken darf?

«Offenbar läßt sich die Frage stellen:
Kann sich eine Gesellschaft Kultur überhaupt noch leisten?
Denn andernfalls würde sie ja nicht gestellt werden.»

… Wohl ein weiterer realsatirischer Ausdruck des Lebensgefühls
von Intellektuellen im lobbykratischen Zeitalter. …


Beziehungsweise jetzt schon nicht mehr so deutlich, da eben jene prostituierten Intellektuellen hemsig wie eh bemüht sind, die von einem Virus weggezogene Decke des „schönen Scheins“

Sie verstehen doch, Herr Nietzsche, oder?

mit hastigem Tamtam und treuem Augenaufschlag
wieder über das dem menschlichen Wesen

systemisch bedingt

Inkommensurable — säuberlich getrickst — zu breiten.

… Wie lebensvoll dagegen doch
einst ein Freiherr Knigge zu schreiben wußte …

[…] Oder anders gesagt, die EU entwickelt sich zu dem, das ich in meinen Büchern in der notwendigen Breite und Tiefe verdeutlicht habe, so daß nichts zu der Erkenntnis fehlt: Die EU wird spätestens 2025 — ein völlig aus der Zeit gefallenes, gemeingefährliches Monstrum geworden sein — und spätestens dann implodieren! Wenn diese Machtelite nicht vorher schon — !_wieder_! —, da nicht mehr ein noch aus wissend, das letzte Register ihres „weihmachtlichen Spiels“ ziehen wird.[_2_] — Folglich ist meine Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß auch der EU-Funktionselite gemeingefährliche Züge eigen sind.[_3_]

. . .

Im Gegensatz dazu liegt offen auf der Hand, daß eine Schule, die gar keinen „schulischen“ Charakter, sondern den einer „sozialen Spielwiese“ zu haben hat, in der all jenes oben Genannte so zu lehren ist, daß sich den Kindern die damit verbundenen Bereiche, die im Leben _nicht_ unverbunden, _nicht_ wie „Schulfächer“ sind, „ohne Verdruß und Zeitverlust“, und durch einen „ins Herz dringenden Unterricht“, sich in Kopf und Gefühl, im ganzen Menschen, zu einer Einheit verbinden, schon deshalb nicht als veraltet gelten kann — da bisher un_eingelöstes Postulat.

Wem das Vorstehende unverständlich geschrieben erscheint — wenn auch aus entsprechender Perspektive verständlich —, kann das lediglich deshalb meinen, da er sich sogar noch weit von dem Punkt entfernt befindet, von dem aus die post-Tabula-rasa-Phase, einerseits zwangsläufig, andererseits offenbar längst noch nicht zu sichten ist … demnach sein leider nicht allein von ihm beschrittener Weg richtungsmäßig alles andere als gut verläuft. Was nützte es dann, aus der sich aus dieser Position ergebenden Perspektive, „verständlich“ zu schreiben, wüßte ich doch nicht, wieso es nicht aus post-Tabula-rasa-Sicht zu schreiben wäre … zumal es aus _dieser_ Perspektive verständlich geschrieben ist.

… Beeilen Sie sich lieber kollektiv — „wir“ sehen uns ja schon gar nicht mehr, kein Wunder ist es dann, daß Sie das Geschriebene nicht verstehen … oder sowieso nicht wollen! Oder?

Wie dem auch sei, und jetzt im allgemein gesellschaftspolitischen Sinne, folglich _auch_ im „Meinungsbildungssinne“, Ihnen wäre nun _nicht_ zu empfehlen, die von dem denunziatorischen Reaktionär Leopold Alois Hoffmann im Jahre 1795 rhetorisch gestellte Frage reflexhaft zu bejahen, zumal es sich dabei um eine „Frage“ handelt, die von heutigen Projektionisten, wenn auch nicht buchstäblich so gestellt, so doch vergleichbar gestellt würde

[_zu „Projektionisten“ siehe hier_]:

«Sind Schriftsteller imstande,
Revolutionen zu veranlassen oder herbeizuführen?»

Denn das war weder damals noch ist das heute anzunehmen, wie, u.a., und schon damals, Freyherr Knigge wußte:

«[…] Die armen Schriftsteller als die Triebfedern so großer Revolutionen anzuklagen, daß ist die Sprache derer, die die Wahrheit nicht gern laut lassen mögen und in Verewigung aller Art von Stumpfheit, Blindheit und Dummheit der Völker ihren Vortheil finden. Ihnen ist daran gelegen, die Schriftsteller, welche gewisse Dinge an das Licht bringen, verdächtig zu machen, um die Erd-Götter zu bewegen, ihnen Stillschweigen aufzuerlegen. Vernünftige und unpartheyische Leute aber wissen wohl, daß einzelne Büchermacher nicht die Denkungsart ganzer Nationen mit ihren Federkielen umschaffen können. […] Wenn aber in allen guten Köpfen gewisse kühne Wahrheiten schon gähren; dann pflegen die Schriftsteller zu Hülfe zu kommen und wohl etwa Gedanken zur Reife zu bringen, die jedoch auch ohne ihr Zuthun, obgleich nicht so früh, allgemein geworden seyn, Festigkeit und Bestimmtheit bekommen haben würden. […]» [_4_]

Sie müßten das also schon selber wollen, denn:

«Von der Natur sind […] die Menschen nicht in Classen getheilt, nicht einige zum Gehorchen, andre zum Herrschen bestimt[_5_]

Quelle: [_6_]

Wie gesagt, wie frisch doch Freiherr Knigge spricht, im Gegensatz zu Ihnen und jenen Verkappten der politischen Reaktion, die heute Ihre „Grausamkeitsmoral“ für adäquat halten, den noch Unverchipten beizukommen, Herr Nietzsche …



© Joachim Endemann (_EndemannVerlag_)


_1 Zur anlagemäßigen Plastizität des Menschen siehe in: Die tri_logische Sezierung […], Band I, Teilband 4, die Seiten 139-47, beginnend mit: „das Wesen des einzelnen Menschen ist […] plastisch …“.

_2 Siehe in: Die tri_logische Sezierung […], Band II, Zwischenruf 15: „Das Weihmachtspiel“.

_3 Siehe dazu auch in: a.a.O., Band I, Teilbände 1-3, Kapitel 18: „Eine kurze Beschäftigung mit der Frage nach der neoliberalen Strategie des ‘Westen’ und der Funktion seiner Medien bei der Vermittlung dieser Strategie“.

_4 Adolph Freiherr Knigge, „Rückblicke auf den, so Gott will, für Teutschland nun bald geendigten Krieg. Nebst einigen Erläuterungen, die Propaganda, Jakobiner und Illuminaten betreffend“, Coppenhagen, 1795, die Seiten 33-35.

_5 Siehe derselbe, „Joseph von Wurmbrand, kaiserlich abyssinischen Ex-Ministers, jezzigen Notarii caesarii publiei in der Reichsstadt Bopfingen, politisches Glaubensbekenntniß, mit Hinsicht auf die französische Revolution und deren Folgen“, Frankfurt und Leipzig, 1792, die Seite 20.

_6 Diese Passage findet sich in: «Sie fragen noch, wie die ›Verhältnisse‹ liegen?», „… bevor wir zum über_sichtenden Aspekt kommen …“, dort die Seiten 588-90.