« Italexit: Wenn Federico Fubini das sagt »

Das folgende Zitat ist dem politisch linksorientierten italienischen Blog

« Sollevazione – la crisi, il conflitto, l’alternativa »,

entnommen, der sich als unabhängige Diskussionsplattform versteht, die aktuelle politische Situation in Italien dazu zu nutzen, in der Masse der italienischen Bevölkerung das Bewußtsein für ihre eigenen Interessen zu wecken und für diese dann gemeinsam zu kämpfen — und das bedeutet zwangsläufig gegen die praktizierte Politik der Vertreter des neoliberalen Projektes EU zu kämpfen. Dieser Ansatz ist offenbar ein völlig anderer als der von der deutschen Partei „Die Linke“ verfolgte.

 6. Juni 2019
Während wir diesen Artikel veröffentlichen, gibt es brisante Nachrichten. Die Ratingagentur Moody’s grätscht mit der Warnung, daß „die Ausgabe von Mini-BoTs als ein erster Schritt zur Schaffung einer Parallelwährung und als vorbereitender Schritt zum Ausstieg Italiens aus der Eurozone angesehen würde“ in die Auseinandersetzung zwischen der gelb-grünen Regierung […] und der Europäischen Union. [__1__]
Der Tanz beginnt, oder besser gesagt, die ersten Anzeichen für den Angriff, der von der global plündernden Finanzwelt gegen Italien geführt werden könnte …
Federico Fubini
[__freier Autor und u.a. Deutschland-Korrespondent
der überregionalen niederländischen Tageszeitung „Trouw“__]
— der zugab,
daß er die Daten über
die Kindersterblichkeit in Griechenland
wegen der Roßkur der Troika verheimlicht hatte — [__2__]
schrieb im heutigen Corriere della Sera ein Stück mit dem Titel: „Tempi stretti del Tesoro per evitare la procedura 2019. Ma il vero nodo è la manovra. […][__„Die knappe Zeit des Finanzministeriums, um das „Vertragsverletzungsverfahren“ 2019 zu vermeiden. Der eigentliche Punkt aber ist die Vorgehensweise.“__].
Da es einige gibt, die bezweifeln, was wir über das Spiel mit der EU sagen — daß [__nämlich__] der Rahmen für einen möglichen Kompromiß mit der EU sehr eng ist, da man in Brüssel nach finanziellen Bluttränen verlangt, wovon die Populisten in der Regierung nichts verlauten lassen können — soll [__Federico Fubini __] selbst sprechen:
„Auf diese Weise bleibt der gelb-grünen Regierung nicht mehr viel Zeit, um weitere Zugeständnisse wie im Dezember letzten Jahres auf den Tisch zu legen. Aus diesem Grund müssen sich auch einige der ausländischen Investoren noch einmal fragen, ob die Zukunft Italiens wirklich im Euro liegt. Auf dem Markt sind inzwischen Derivate,
die gegen das Risiko versichern,
so daß Land zu einer
abgewerteten neue Lira übergeht,
begehrter — und teurer — als diejenigen, die nur gegen eine mögliche Insolvenz versichern. [__3__]
Die in Dollar emittierten öffentlichen Wertpapiere Roms, die im Falle eines Italexits nicht konvertierbar sind, bieten wieder einmal deutlich niedrigere Renditen als solche in Euro, gerade weil nur die ersteren [__die in Dollar emittierten__] die Eigentümer vor dem Risiko schützen, daß sie in Lira erstattet werden. […]“
Nur eine böswillige Art, die gelbgrüne [__italienische Regierung__] zu stechen oder echte Angst? Beides … [__4__]
 
 

... aus dem Italienischen von Joachim Endemann

_ 1 BoT steht für „Buono Ordinario del Tesoro“ und ist die Bezeichnung für eine bestimmte Sorte italienischer Staatspapiere mit kurzer Laufzeit. Dabei handelt es sich zwar nicht um eine Währung, aber, da italienische Bürger diese dazu verwenden können, ihre Steuerschuld zu bezahlen, liegt in ihnen der Kern dessen, was mit einer Währung elementar verbunden ist, nämlich die Steuern in der Währung des Staates zu bezahlen, in dem man lebt. Folglich sind Mini-Bots der erste Schritt, um aus der Eurozone auszusteigen. _ je. _ Zu den Möglichkeiten der Verwendung von Mini-BoTs siehe hier.

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_ 2 Immerhin stellen sich die völlig von der Realität abgehobenen EU-Ideologen vor, ein vergleichbares Spiel mit der italienischen Bevölkerung zu treiben: Griechenland ist heute ein Land, das in Friedenszeiten so zerstört wurde, wie es ansonsten nur in Kriegszeiten geschieht — sieht man vom physischen Zerbomben ab. Es leuchtet also ein, daß Fubini von solchen Folgen für die Italiener nichts verlauten lassen wollte — wobei dann die Frage ist, wieso sich Fubini als „freier“ Autor versteht, bzw. was er darunter versteht …

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_ 3 ANMERKUNG: unter normalen Bedingungen, d.h. wenn ein Staat über eine eigene Währung verfügt, kann ein Staat nicht pleite gehen. Die Souveränität eines Staates drückt sich gerade durch die Tatsache aus, daß er seine eigene Währung emittiert. Dies gilt in einer Währungsunion nicht mehr. Das heißt in der Eurozone haben wir die Situation, daß der Euro zwar gemeinsames Zahlungsmittel ist, aber für jedes Mitgliedsland der Eurozone zugleich eine Fremdwährung ist. Erst auf diese Weise ist es möglich geworden, daß die großen Akteure auf dem Finanzmarkt mit Aussicht auf Erfolg gegen einzelne Mitgliedsstaaten wetten können, denn die Euro-Konstruktion widerspricht der Funktionsweise des modernen Geldsystems völlig. Übrigens ist allein daran erkennbar, daß die EU ein neoliberales Projekt ist und folglich gegen Gemeinwohlinteressen gerichtet sein muß. _ je.

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_ 4 ANMERKUNG: Tritt ein Staat aus der Eurozone aus, zahlt er in der von ihm emittierten Währung seine Verbindlichkeiten, die er in Euro hat. Es ist zu hoffen, daß die italienische Regierung den Italexit tatsächlich vollzieht. Ob sie das tatsächlich tut, wird u.a. daran erkennbar sein, ob sie den auf Druck der EU, d.h. Deutschlands, installierten Giovanni Tria seines Amtes als Wirtschafts- und Finanzminister enthebt, sowie den vom Parlament und Vertretern der italienischen Regionen gewählten Staatspräsidenten Sergio Mattarella ersetzt, da der ebenfalls im Sinne der EU funktioniert. Immerhin muß man für die jetzt notwendigen Operationen den Rücken frei haben. Abzusichern ist das aber alles dadurch, daß man der Bevölkerung das böse Spiel der EU-Ideologen erläutert und sie so für ihre eigenen Interessen mobilisiert. _ je.

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