Ist politischer Alzheimer durch ideologische Nähe übertragbar?

Sein erster und einziger Patient sagte kürzlich dem frischen Arzt in der Stadt, unter dem Siegel der Verschwiegenheit,

daß es ihn nicht überraschte, müßten die „dadaistisch-surrealen Phänomene in der Lobbykratie“ als Ausdruck grassierenden politischen Alzheimers bei den Akteuren verstanden werden, da die offenbar weder eine Erinnerungsspur von den ursächlichen Gründen ihres Tuns noch von dessen gestrigen Auswirkungen hätten und deshalb so empört wie unbekümmert andere für das Scheitern ihres politischen Murkses verantwortlich machten. Allerdings stimmte ihn die konsultationsabschließend eingeworfene Bemerkung dieses frischen Arztes nachdenklich, daß es deshalb nicht wahrscheinlich sei, daß solche Phänomene eine so bequeme Erklärung fänden, da die politischen Akteure

a) in regierenden Rudeln mit spin_doktorisch-medialen Rattenschwänzen aufträten und es

b) zumindest vom klassischen Alzheimer bisher nicht bekannt sei, daß der durch körperliche Nähe übertragen würde,

folglich geschlußfolgert werden müsse, daß politischer Alzheimer durch ideologische Nähe keine Verbreitung fände, und der Trugschluß wäre ähnlich, wollte er dafür eine kollektive Amnesie annehmen, da die Akteure dann für ihr Tun so oder so unverantwortlich zu machen seien, hingegen gerade auf diese Weise die Annahme bestätigt würde, dieser politische Murks sei eine Frage der Perspektive, da das lediglich für die Masse der Menschen gelte, hingegen nicht für jene nationalstaatlichen Machtgruppen, in deren Auftrag solche regierenden Rudel mit spin_doktorisch-medialen Rattenschwänzen, zur Durchsetzung deren Interessen, Politik und Meinungsmanipulation eigenkarrierefördernd betrieben — was zudem die Existenz der Lobbykratie und die Absenz von zumindest tendenzieller Demokratie belege.

Muß erwähnt werden, daß diesem frischen Arzt diese Beratung nichts einbrachte, da es für politische Aufklärung weder einen krankenkassentauglichen Abrechnungsposten geben kann noch diese, laut Katalog, Igel-tauglich ist, ereignet sich diese höchstens noch zufälligerweise in dem Prozeß, der als Meinungsbildung bezeichnet wird?

© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)