„’Global Britain‘ [__das „umfassend frei“ agierende Großbritannien__] hat sich gerade zum weltweit führenden Investitionsziel entwickelt (__und das ungeachtet des__) Brexits“

Im folgenden die Übersetzung eines Textes, der einen realistischen Blick auf das erlaubt, was die Entwicklungsmöglichkeiten Großbritanniens durch den Brexit anbelangt. — Zur Nachahmung allerdings nur für jene empfohlen, die weder im Aushecken von umfangreichen Regelungswerken ihren Lebensinhalt sehen noch darin, in ihrer Lebensplanung davon bestimmt zu werden.


Der Originaltitel laute:

Global Britain just became the world’s top
investment destination (despite Brexit, of course)
”.



Anmerkung: „Global Britain“ soll die Situation nach dem Brexit bezeichnen, durch die es Großbritannien möglich wird, eine nach allen Seiten offene Wirtschaftspolitik zu betreiben. Genau dies wurde durch die Mitgliedschaft in der EU und deren sich stetig verdichtenden Regelungsmechanismus verhindert.



Von


Ewen Stewart ist Direktor des
euroskeptischen Think Tanks Global Britain und
schreibt regelmäßig über wirtschaftliche und politische Angelegenheiten.


Eine weitere Woche und eine weitere gute Nachricht aus der realen Welt — nicht der parallelen, unproduktiven Welt von Westminster. Letzte Woche wurde Großbritannien als die weltweite Nummer eins für Investitionen ausgezeichnet — und verdrängt damit die USA, eine Wirtschaft, die neunmal so groß ist wie unsere. Aber es kann doch nicht wahr sein — das Vereinigte Königreich verläßt schließlich die Welt; werden wir nicht wegen des Brexits dichtmachen?!!?

Wir bewegen uns in verschiedenen Universen. Während ein großer Teil Westminsters, unser öffentlicher Dienst und unsere Medien täglich Geschichten über das Elend des Brexits erzählen, wird angeprangert, daß Mauern errichtet würden (__Chancellor Hammond benutzte genau diese Formulierung erst in der letzten Woche in einer Rede in den USA__), wodurch Chancen und wirtschaftlicher Wohlstand in der realen Welt zerstören würden — das Gegenteil ist der Fall.

Ein wesentlicher Aspekt der Begründung für Remain zu votieren war, daß der Austritt aus dem Binnenmarkt Großbritannien für den Rest der Welt bedeutungslos machen und ausländische Investitionen zunichte machen würde. Das war wirklich nicht schwer zu verstehen. Warum sollten die Leute in Kleinbritannien investieren, wenn sie ins mächtige Frankreich oder Deutschland gehen könnten, als Teil der EU?

Diese Behauptung wurde immer wieder mit der einfachen Logik wiederholt, daß wir Teil von etwas Großem sein müßten, um mit anderen Ländern Handel treiben zu können. Diese Logik ist sowohl miesmacherisch als auch höchst fehlerbehaftet.

Bei Handel und Investitionen geht es um Rechtsstaatlichkeit, stabile Regierungsführung, transparente, relativ niedrige und stabile Steuern, schützbare Eigentumsrechte, bildungspolitische, wissenschaftliche und kulturelle Höchstleistungen — und natürlich harte Arbeit, eine gute Idee und strategische Vorteile — und viele andere Faktoren. Handelsabkommen waren aus unserer Sicht von ziemlich geringer Bedeutung, und da das Vereinigte Königreich mit der Welt einen Überschuß erzielt — aber ein Defizit von 96 Mrd. Pfund gegenüber der EU hat —, hätte in vernünftigen Verhandlungen ein zollfreies Abkommen bei gegenseitiger Einhaltung der Vorschriften leicht möglich sein müssen. Wenn, im Vergleich zum Vereinigten Königreich, Kanada — dessen Handel mit der EU weniger als 10% seines Umsatzes ausmacht — dies erreichen kann, warum nicht das Vereinigte Königreich?

Man muß sich nur anschauen, wie die EU bei dem Gedanken an einen sogenannten „No-Deal Brexit“ zurückschreckt und zittert, um zu erkennen, daß dies richtig ist. Leider sehen es die Miesmacher in unserer Regierung und im Parlament nicht so.

[__Der euroskeptische Think Tank__] Global Britain argumentierte eher bescheiden, daß der Brexit an sich keine große wirtschaftliche Angelegenheit sei. Der Brexit ist kein Allheilmittel. Es ist ein Prozeß, aber einer, der dem Vereinigten Königreich die Möglichkeit gibt, viel besser zu sein als im Rahmen der öden und leistungsschwachen EU-Konformität.

Wie ein richtig eingesetztes Instrument könnte der Brexit die globale Position und den Wohlstand Großbritanniens verbessern, aber nur, wenn eine angemessen offene, stabile und nicht launenhafte Politik verfolgt würde. Die Zeit drängte, da sich das Regulierungssystem der EU verdoppelte und damit Innovationen, Wahlmöglichkeiten und Wohlstand erstickte. Man erkennt bereits, daß dies die Richtung ist, die die EU verfolgt. Das Mißverständnis über die Richtung der EU ist der Grund, warum wir zu den wenigen Kommentatoren gehörten, die argumentierten, daß ein Leave-Votum die Prosperität erhöhen, aber in keiner Weise beeinträchtigen würde.

Es ist nun mehr als zweieinhalb Jahre her, daß das Vereinigte Königreich für Leave votierte, und die Beweise sind zunehmend überwältigend. Die Remainer mit ihren Klageliedern lagen in fast allen Bereichen völlig daneben: beim Wachstum, bei den Arbeitsplätzen in der City, bei der Gesamtbeschäftigung, beim Lohnwachstum und jetzt bei den Investitionen.

Tatsächlich ist das Gegenteil von ihren Erwartungen eingetreten. Die jährliche Umfrage des globalen Beratungsunternehmens EY [__Ernst & Young__] über die Investitionsentwicklung, die nun zum zehnten Mal durchgeführt wird, hat Großbritannien zum ersten Mal zum weltweit führenden Investitionsziel erklärt und damit sogar die USA, eine Wirtschaft, die weitaus größer ist als unsere, überholt. Die ausländischen Direktinvestitionen [__kurz FDI, zu englisch: foreign direct investment__] stiegen [__gemäß den neuesten verfügbaren Zahlen aus dem Jahre__] 2017 um 6% gegenüber dem Vorjahr und schufen schätzungsweise 50.196 neue Arbeitsplätze. Es gab 1.205 neue Projekte gegenüber 1.138 im Jahr 2016 und nur 700 im Jahr 2012. Außerhalb Londons war das Wachstum am stärksten, insbesondere im Südosten, Osten und Südwesten. Großbritannien ist mit 18% Marktanteil klarer europäischer Marktführer bei der Anziehung von FDI. Über FDI wurde 50.000 Arbeitsplätze im Vereinigten Königreich geschaffen, 31.000 in Deutschland, 26.000 in Rußland, 24.000 in Frankreich und 23.000 in Polen. Bei der Umfrage zum Brexit gaben 6% der Investoren an, daß dadurch ihr Interesse an Großbritannien verringert wurde, während 7% angaben, daß dadurch ihr Interesse erhöht wurde.

Großbritannien ist Marktführer bei der Anlockung von US-Investitionen (__24%__), gegenüber dem zweitplatzierten Frankreich (__16%__) — mit einem Anstieg der Investitionen aus den USA, Deutschland, China, Indien, Japan, Australien, Kanada, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien. Lediglich die Investitionen aus Frankreich und Irland gingen zurück. Investitionsschwerpunkte, auch hier wiederum gegenläufig, waren Konsumgüter, Industrie und Finanzdienstleistungen.

Kurz gesagt, globale Investoren zieht es nach Großbritannien, seit wir für den Brexit gestimmt haben — im Gegensatz zu der Behauptung des Finanzministeriums und der Bank of England, daß es zu einer sofortigen Rezession kommen würde.

Das Leave-Votum hat in der Tat Investitionen in das Vereinigte Königreich gefördert. Zweifellos werden unsere Gegner argumentieren: „Nun, wir sind noch nicht ausgetreten, also ist es keine Überraschung“. Dieses Argument hat nichts zu bedeuten. Investitionsentscheidungen werden nicht nach Lust und Laune getroffen, sondern nach einer langfristigen Analyse der Chancen. Man investiert nicht auf kurze Sicht zig Millionen Pfund in hartes Kapital und Anlagen. Die Investoren wußten, daß das Vereinigte Königreich austritt und haben mit ihren Finanzen abgestimmt. Sie sind langfristig hier, und das trotz einer erbärmlichen Haltung unserer Regierung.

Paradoxerweise waren einige der größten Investoren im Vereinigten Königreich Unternehmen aus der EU. Siemens Deutschland hat 200 Millionen Pfund in sein neues Eisenbahnwerk in Goole investiert, 700 direkte und weitere 1.700 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie werden erwartet. Der spanische [__Schienenfahrzeuge-Hersteller__] CAF hat seine 30 Millionen Pfund teure Fabrik in Newport eröffnet und 300 Arbeitsplätze geschaffen, Bombardier [__Hersteller von Flugzeugen und Technik für den Schienenverkehr__] aus Kanada erhöht die Produktion und schafft weitere 300 Arbeitsplätze, und [__der Personenzughersteller__] Talgo hat sich dazu entschlossen, eine neue 40 Millionen Pfund teure Fabrik in Fife und einen Stützpunkt in Chesterfield zu eröffnen und 1.000 Arbeitsplätze zu schaffen.

Boeing eröffnete im vergangenen Jahr in Sheffield seine erste europäische Fabrik, nachdem 40 Millionen Pfund investiert wurden. Boeing hat in den letzten fünf Jahren 74.000 Arbeitsplätze in Großbritannien geschaffen — ein Zuwachs von 33% — und gibt 1,8 Mrd. Pfund zugunsten britischer Lieferanten aus. Und jetzt, trotz aller vermeintlichen Sorgen um den Brexit als Bedrohung für den britischen Automobilbau, erwägt BMW, seine Goodwood-Produktion von Rolls-Royce-Autos nach einem weltweiten Verkaufsrekord auszubauen.

Diese Meldungen sind nur eine Momentaufnahme echter Neuigkeiten, die jede Woche veröffentlicht werden. Tatsächlich steht das, was bei den britischen Investitionen — und insbesondere im verarbeitenden Gewerbe — geschieht, völlig im Widerspruch zu dem, was die Gegner des Brexits und viele Medien zu diesem Thema berichten.

Es wird oft gesagt, daß das Vereinigte Königreich nichts mehr produziert, aber aus den Statistiken geht hervor, daß das verarbeitende Gewerbe 2,7 Millionen Menschen beschäftigt, 11% zur Bruttowertschöpfung beiträgt, 45% der Gesamtexporte (__275 Milliarden Pfund__) auf sich vereinigt, für 69% der Unternehmensforschung und -entwicklung  (__FuE__) verantwortlich ist — womit das Vereinigte Königreich die neuntgrößte Industrienation der Welt ist..

Es ist auch aufschlußreich, daß einer der wichtigsten Anlagebereiche die Finanzdienstleistungen waren. Natürlich wurde einvernehmlich behauptet, daß der Brexit die Finanzdienstleistungsbranche [__der City__] im Zuge ihres Umzugs nach Frankfurt zerstören würde. Sie behaupteten dies auch, als die Einheitswährung [__Euro__] eingeführt wurde. Es ist schon erstaunlich, daß ausländische Investitionen in die Finanzdienstleistungsbranche zu den drei wichtigsten Sektoren für Investitionen gehören.

Wie oft dürfen sich diese offiziellen Prognostiker, denen so viel mediale Sendezeit eingeräumt wird, irren? Warum werden sie von den Medien so sehr ins Rampenlicht gestellt? Es gibt zahlreiche unabhängige Prognostiker mit stets besseren Einschätzungen. Wir von Global Britain denken, daß wir zu ihnen gehören!

Global Britain argumentierte, daß der Brexit mit der richtigen Politik eine langfristige Chance für die City sei und kurzfristig vielleicht 10.000 Arbeitsplätze in Gefahr sein könnten. Andere, darunter das Finanzministerium, behaupteten, daß 70.000 Arbeitsplätze verlorengehen würden, ein absurdes Viertel aller Arbeitsplätze im Finanzdienstleistungssektor der City of London. Die Realität ist, daß wir zu pessimistisch waren. Die Entscheidung, die City zu verlassen, hatte fast keine meßbaren Auswirkungen auf die City, die nach wie vor fast vollständig die dominierende Stellung bei den europäischen Finanzdienstleistungen einnimmt. Wie  [__nun__] die EY-Umfrage deutlich macht, trifft dies auch auf die gesamte Wirtschaft zu.

Schauen wir uns an, was in den letzten zwei Jahren passiert ist:

Auslandsinvestitionen — Großbritannien ist zum ersten Mal die globale Nummer 1 und verdrängt die USA.

Die Investitionen erstrecken sich über zahlreiche Sektoren wie Fertigung, IT, Finanzdienstleistungen und Unternehmensdienstleistungen.

Die Arbeitslosigkeit ist heute die niedrigste seit 1974.

Die Gesamtbeschäftigung liegt jetzt bei 32,7 Millionen — die größte überhaupt, mit einem Zuwachs von 800.000 seit dem Referendum — im Gegensatz zu dem vom Finanzministerium prognostizierten Rückgang der Beschäftigung um 500.000 unmittelbar nach einem Leave-Votum — dies bedeutet gegenüber den Prognosen ein Plus von 1,3 Millionen Arbeitsplätzen.

Der Lohnanstieg im Februar lag mit 3,5% — dem höchsten Wert seit dem Jahre 2008 — über der Inflation, die im gleichen Monat 1,9% betrug.

Der britische Mindestlohn ist der höchste aller großen Länder der EU und doppelt so hoch wie der spanische, dreimal so hoch wie der polnische und sechsmal so hoch wie der rumänische. Kein Wunder, daß das Vereinigte Königreich bei den Arbeitnehmern zu Recht beliebt ist; und

das BIP ist jedes Quartal gewachsen, im Gegensatz zu der absurden Prognose des Finanzministeriums, die einen Rückgang um 5% vorhergesagt hatte.

Im Kontrast dazu steht die EU:

Die Arbeitslosigkeit ist mehr als doppelt so hoch wie im Vereinigten Königreich.

Deutschland und Italien flirten mit der Rezession.

Die Finanzpolitik befindet sich nach wie vor auf einem historischen Tiefpunkt. 10-jährige deutsche Bundesanleihen rentieren 0,05%. Ungeachtet dessen stagniert die deutsche Wirtschaft.

Fehlende Stabilisierung des EU-Banksystems: erheblicher ungelöster Streß in Italien, erzwungene Bankenfusionen in Deutschland — und Griechenland im Notfallmodus, wobei diese Wirtschaft 23% kleiner ist als vor einem Jahrzehnt; und

Fortsetzung der Migration vom Süden der EU in das Vereinigte Königreich und in den Norden — wo immer die Möglichkeit besteht.

Natürlich sollte das Vereinigte Königreich nicht selbstzufrieden sein; es muß viel getan werden, um die öffentlichen Finanzen zu stärken und regionale Unterschiede zu beseitigen, aber die quasi-religiöse Bindung unserer Gegner an die EU erschafft eine Scheinrealität. Ihre Sichtweise basiert auf einer utopischen Vision dessen, was die EU nicht ist. Wie die Amerikaner sagen: „Schau dir die Kalkulation an“. In Bezug auf die wirtschaftlichen Ergebnisse war das Leave-Votum in fast allen Bereichen richtig. Die aktuellen Zahlen der Auslandsinvestitionen sind ein weiterer Beweis, soweit dies noch notwendig war. Seltsamerweise ist die Konservative Partei so in Ehrfurcht vor ihrem gescheiterten Brüsseler Cousin, daß sie das Vertrauen verloren hat, unsere eigenen Stärken zu zeigen. Die konservative Regierung greift sich eine Niederlage aus den Fängen des Sieges, basierend auf einer falschen Realität und einer peinlichen Verzerrung der Sachlage.


(__Quelle.__)

Übersetzung: Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)