Es gibt Sätze, die gelten als treffend, obwohl die sich bloß als kurze entpuppen.

Ein Beispiel.

In diesen Tagen las ich auf Facebook einen Satz, der, da bloß kurz und offenbar als treffend geltend, eine hohe Like-Quote aufwies, eine Quote, die mir auf ewig verschlossen bleiben wird, da meine zu lang sind und Einigkeit darüber herrscht, das die sowieso zu ignorieren wären, schon allein, da einmal jemand meinte, die seien “verschwurbelt”, was sich dann wohl herumgesprochen hatte, denn schon allein der

Gefahren_Hauch

es mit einem “komplizierten” Satz

eventuell

zu tun bekommen zu können,

muß vielen als
abenteuerlich gelten,

denn,

zumindest:

“verschwurbelt” ≅ “kompliziert”.



Hingegen,
das sei am Rande noch vorausgeschickt,
können meine Sätze keineswegs “verworren” sein,
das müßte man mir erst nachweisen!

— Ja,

eigentlich sind die nicht einmal
“‘näherungsweise’ kompliziert”,
man muß sich auf die nur einlassen

(__was von noch lesenden
Menschen gefordert werden kann?__)

— sozusagen wie auf ein nicht
klar erkennbares Wesen,

da nicht zwielichtig

im Zwielicht stehend.


Verstehen Sie?


Gewiß,

auf kurze Sätze muß man sich nicht einlassen,
die plätschern an einem vorbei,
ohne daß man naß wird.
Das hat einerseits Vorteile.

Andererseits:

Was geschieht,

ist es Konsens,

etwas als “kompliziert”
Erscheinendes

bogig zu

um_meiden?



Wie dem auch sei,

und schon gesagt,

in diesen Tagen las ich folgenden
als treffend geltenden kurzen Satz:

Konflikte müssen friedfertig und mutig und mit Verstand und Vernunft entschärft werden.

Gefällt Ihnen dieser Satz?

Was aber bleibt von einem kurzen Satz übrig, kann man ihm ohne weiteres das ihm zugesprochene, als augenfällig treffend Geltende nehmen? Nun, nichts als verarmter Sinn in Kürze.



Das unterscheidet ihn übrigens, also u.a., von meinen mehrfach gedankenganglich gelagerten Standardsätzen, in den der lesende Mensch besser gut angeseilt einsteigt, da dieser auch den erkenntnis_bringenden Âbyssos durchsteigen muß

zumal es dort sogt

und er nicht anders zum nächsten Gedankengang gelangen kann …



Diesem Satz bleibt nur die sinnverarmte Kürze, da sowohl friedfertig und mutig und mit Vernunft gestrichen werden können, will man einen sozialpolitischen Konflikt

_lediglich_

“entschärfen”,

so daß das Treffende dieses
kurzen Satzes wie folgt,

zwar sinn_verarmt,

noch zu retten wäre:

Konflikte müssen mit Verstand entschärft werden.

Denn

_wem_

schon das “Entschärfen” sozialpolitischer Konflikte genügt,

bedarf dazu weder
“Friedfertigkeit” noch
“Mut” noch
“Vernunft”,

sondern

bloß dessen,
was man “Verstand” nennt.


Völlig anders sieht es jedoch aus,
sollen solche Konflikte tatsächlich einer
Lösung zugeführt werden,

da das nur mit den
Menschen zusammen geschehen kann
und niemals über ihre Köpfe hinweg.



Bei der “Entschärfung” eines sozialpolitischen Konfliktes hingegen genügt es, das “Führungspersonal” der herrschenden Parteien zu konsultieren, bspw. diese auf kommunaler Ebene in Karnevalsvereinen aufzusuchen, da die sich in solchen gern zum Kungeln treffen. Genau deshalb aber können “entschärfte” Konflikte lediglich dazu beitragen, daß das Durchwurschteln und Kungeln weiter möglich bleiben — bis ein solcher Konflikt (__vermeintlich__) unvermittelt wieder aufbricht, und zwar mitunter so, daß sich für die “gesitteten” Kungelrunden unmittelbare Gefahr ergibt — woraus sich, ereignet sich das auf staatlicher Ebene, ein Konflikt von ganz anderer Qualität ergibt, der dann, zumindest in der Regel, durch einen noch größeren Konflikt nach “außen” abgeleitet werden muß

— da nicht mehr anders zu
“entschärfen” ist.



Um aber einen solchen Konflikt
tatsächlich einer Lösung zuzuführen
bedarf es eines

v e r n ü n f t i g e n

Vorgehens

— und

_dann_

sind “Verstand”,
“Friedfertigkeit” und “Mut”
per se dabei.


Was sagt also eine hohe
Like-Quote für etwas aus,
dem das Treffliche zwar innewohnt,
das aber unkenntlich machend umbordet ist?

Denn das Treffliche und seine wahre
Kürze gewinnt
_dieser_ Satz erst,
lautet er:

Konflikte werden mit Vernunft gelöst.


Allerdings sehe ich nicht,
daß bisher tatsächlich sozialpolitische Konflikte
vermieden worden wären,

nämlich durch vernünftige Politik.

— Woran mag das liegen? —

Immerhin hätte das den Vorteil,
Konflikte erst gar nicht “entschärfen” zu

m ü s s e n 

© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)


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Immerhin habe ich mich darin mit jenen
Tendenzen und Strömungen auseinandergesetzt,
die an der Basis dessen wirken, das jetzt offen zutage tritt.
— Das heißt diese Auseinandersetzung erfolgte beizeiten
.