Einmal Rührei, immer Euro?

Herr Sinn sagte so vor einem Jahr, daß der Euro deshalb mit einem Rührei zu beschreiben sei, da auch das nicht zurückgeeiert werden könne: einmal Rührei, immer Euro?

Richtig, ein Rührei ist ein Rührei. Deshalb kann ein Rührei auch keine Währung sein, immerhin ist eine Währung Ausdruck der Souveränität eines Staates. Insofern ist der Euro eigentlich keine “Währung”, sondern “nur” das haupt_gemeinsame Eurozonen-Zahlungsmittel, da zugleich eine Fremdwährung für alle Eurozonenländer

… aber dennoch kein Rührei.

Jedenfalls widerspricht der Euro auf diese Weise dem modernen Geldsystem. Das heißt der Euro ist eine Fehlkonstruktion, bzw. eine Konstruktion, die den großen Akteuren auf dem Finanzmarkt dienlich ist. Eine solche neoliberal-ideologische Konstruktion muß man abschaffen _oder_ durch eine im Sinne des modernen Geldsystems funktionierende Währung ersetzen. Das hätte aber schon in den 2000er Jahren geschehen müssen. Jetzt haben wir Mitte 2019.

Das heißt die Mini-BoTs, die tatsächlich Staatsanleihen sind, sind zuerst in der Tat bestens für das geeignet, für das sie (__zuerst__) verwendet werden sollen, nämlich die über 50 Milliarden festliegenden Verbindlichkeiten des italienischen Staates gegenüber Unternehmen, die dafür bereits Leistungen erbracht haben, über diese Mini-BoTs in den Wirtschaftskreislauf einzuschleusen, da diese Unternehmen diese (__nicht verzinslichen__) staatlichen Schuldtitel wiederum zur Bezahlung ihrer schon länger ausstehenden Steuerschuld (__und Arbeitgeberabgaben__) verwenden, aber auch an andere Unternehmen weitergeben könnten, die diese dann für deren Steuerschuld-Rückstände verwenden können. So sieht es jedenfalls der Ende Mai von der Camera dei deputati _einstimmig_ angenommene Antrag vor.

Was sollte daran illegal sein,
zwingt der italienische Staat doch niemanden,
die Mini-BoTs als Zahlungsmittel zu verwenden?

Allerdings liegt es an den EU-Ideologen, ob daraus schließlich in der Tat eine Parallelwährung wird, bei der es sich zunächst nur um ein weiteres (__freiwillig akzeptiertes__) Zahlungsmittel handelt, solange es auf Euro lautet. Daß aus Mini-BoTs eine Währung werden könnte, wäre natürlich allein schon deshalb möglich, da alles zu einer Währung werden kann. Allerdings wäre dieser Prozeß, d.h. hin zu einer echten anderen Währung, bspw. der neuen Lira, über die Mini-BoTs entscheidend besser zu steuern, da diese Schuldtitel des Staates sich ebenso _dazu_ bestens eignen.

Daß das mit einigen anderen Maßnahmen noch zu begleiten wäre,
sollte selbst einen Herrn Sinn nicht überraschen.

So wäre, bspw. die Etablierung einer Bank für Mini-BoTs eine Vorbedingung für die Etablierung eines inner-italienisch allgemein akzeptierten Zahlungsmittels, das dann das Potential für eine zukünftige eigene Währung Italiens in sich hätte.


(__Diese Bank würde schließlich die neue nationale Zentralbank werden, denn die Banca d’Italia ist ja nur noch eine Filiale der EZB. Die Funktion der Banca d’Italia könnte dann die sein, entweder in einer Übergangsphase oder solange der Euro noch als Fremdwährung der Eurozonen-Länder bestehen würde, als “Verrechnungsstelle” zu dienen, d.h. darüber den Euro als “Verrechnungsmittel” zwischen Italien und den Ländern der Eurozone zu verwenden.__)


Das heißt der Sinnsche Vergleich des Euros mit einem Rührei ist falsch, wie bereits oben leicht ironisiert bemerkt, zumindest hinkte der insofern stark, da sich die Mini-BoTs für andere Eurozonen-Mitglieder noch als nachahmenswert entpuppen könnten.


© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)


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Immerhin habe ich mich darin mit jenen
Tendenzen und Strömungen auseinandergesetzt,
die an der Basis dessen wirken, das jetzt offen zutage tritt.
— Das heißt diese Auseinandersetzung erfolgte beizeiten
.