Eine kleine Reflexion über das Nichtparadoxe selbst am paradox Erscheinenden der „preußisierten Postmoderne“.

Es macht Sinn,

da dies eine weiterführende Reflexion ist,

sich vorher den lesenswerten Essay von Bernd Stegemann:

Das postmoderne Paradox

durchzulesen.

Das Nichtparadoxe am paradox Erscheinenden der “preußisierten Postmoderne”, nämlich das

_Zusammenhängende_

an der Chose dieser “Postmoderne” ist,

daß der Nazismus sowohl für die
“deutsche Entseelung” als auch für die
ersatzweise Identitätsschaffung

(__über die Identifizierung
mit der deutschen Wirtschaftsleistung__)

ursächlich ist.

Immerhin hatte der Nazismus dazu geführt, daß Deutschland 1945 politisch nicht mehr existierte und einzig der deutschen Wirtschaft konnte ein “politischer Rahmen” gegeben werden:

der deutsche Rechtsstaat wurde um diese Wirtschaft herum konzipiert.

Daß dieser “Rechtsstaat” sich erst ab dem Ende des Kalten Krieges mählich zu jenem entwickelte, welches den Ordoliberalen,

also den deutschen Neoliberalen,

schon nach dem Ende des zweiten Teils des Großen Krieges vorschwebte, war den Zeitumständen geschuldet, denn was hier als “soziale Marktwirtschaft” gepriesen wird, ist nicht das, was die Ordoliberalen des mythischen “deutschen Wirtschaftswunders” darunter verstanden.(__1__)



Daran ist nichts paradox,
sondern alles zusammenhängend,
wenn gewiß auch dialektisch.

Wieso mag der von Stegemann in seinem oben verlinkten Essay gebildete Satz:

Dialektik gilt auch für diejenigen, die nicht mehr an sie glauben,

schön sein? Nun, er ist wahr.



In der Tat ist weder dieser nationalen Entseelung noch dieser, über die deutsche Wirtschaftsleistung ersatzweise geschaffenen Identität Paradoxes eigentümlich, da dies als “kontinuierlicher Teil” eines gesellschaftlichen Prozesses zu verstehen ist, der seinen Ursprung in der “Preußisierung der Deutschen” findet, deren nationale Identität schaffende Prägeform der Wilhelminismus im Rahmen der Nationalstaatsbildung von 1871 war

— denn damit ging eine kollektive Mentalitätsprägung einher,
die seitdem als „deutsch“ gilt,
obwohl sie doch bloß preußisch ist.(__2__)


Es ist _diese_ kollektive Mentalitätsprägung,
aus der sich alles folgende entwickelt hat.


Auf jene Zeit ist demnach zu schauen, um einen richtigen Begriff von dem zu bekommen, welches sich dann zum Nazismus wandelte

— denn auch der Nazismus findet dort seine Wurzeln.

Dessen Update steht demnach nicht auf dem Programm,
sondern jenes,
das als Neo_Wilhelminismus bezeichnet werden kann.



Zwar mag es sein, daß die Kalte-Kriegs-Zeit paradoxe Gedankenflüge mit sich brachte:

Aber konnte das nach solchen entseelenden Ereignissen
und  der dann erfolgten “ökonomisierten Identifizierung” verwundern?


“Ökonomisierte Identifizierung”,
dies eine Formulierung,
die zum Nachdenken anregen könnte,
also über das,
was daraus resultiert,
ist sie kollektiv verankert?


Eher konnte erstaunlich erscheinen, mit welcher Kontinuität Stützen des Nazismus‘ zu Stützen der sogenannten bundesrepublikanischen Demokratie wurden, bzw. blieben.


(__Erst die 68er-Bewegung brachte da etwas Unruhe in diese Kontinuität,
und blieb doch nur ein Sturm im Wasserglas.__)


Nun, „erstaunlich erscheinen“ deshalb, da es ja offenbar um Kontinuität ging

— soweit diese unter den damals gegebenen Bedingungen
aufrechtzuerhalten möglich war.

Denn andernfalls hätte nach dem vollständigen Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung

(__immerhin ist der Nazismus die
Herrschaftsform des Kleinbürgertums und
keine Heimsuchung der Marsianer
__)

beste Gelegenheit bestanden, politisch tabula rasa zu machen.


(__Ach ja,

klar,

es waren keine anderen „kompetenten“ Figuren da
— vorausgesetzt man wollte nicht tabula rasa machen,
sondern vor allem Fensterreden fürs Ausland halten:
„Seht her, wir haben gelernt!“.__)


Wenn nicht schon in den fünfziger Jahren dazu beste Gelegenheit bestanden hatte, so wäre doch spätestens nach dem Ende des Kalten Krieges eine grundlegend gewandelte, also ent_preußisierte Politik möglich geworden — _wären_ die Fensterreden ernst gemeint gewesen, bzw. _keine_ gewesen.


Nein, nein,
sich auf die Position zurückzuziehen,
das wäre ja gar nicht gegangen:
wegen der bösen “Besatzer” und so,
der lügt sich selbst etwas in die Tasche,
oder schlimmer noch: anderen!

Und die Masse der Bevölkerung für
ein konstruktives Projekt zu mobilisieren,
nun,
daß kommt in einer
“repräsentativen Demokratie”
ja gar nicht in Frage,
geschweige in den Sinn,
oder?


Tatsächlich wandelte sich seit dem Ende des Kalten Krieges der alte Wilhelminismus mählich zum Neowilhelminismus(__3__),

sich dabei mit dem Neoliberalismus zum
Neowilhelmoliberalismus amalgamierend(__4__),

so daß festzustellen ist, daß Deutschland,

das seine preußisierte nationalstaatliche
Identitätsstiftung  1871 erhielt,

heute (__2019__) kurz vor seiner erneuten internationalen Isolierung steht

— was offenbar eine “Konstante des
preußisierten Deutschlands” ist.(__5__)

Also kann ich an der “preußisierten Postmoderne” viel Dialektisches, aber nichts Paradoxes erblicken

— lasse ich mich nicht vom paradoxen Gebaren der Akteure
im Vordergrund der Szenerie
irritieren,
bzw. mir nicht den Blick aufs eigentliche Geschehen,
so weit wahrnehmbar,
verstellen.


Das heißt in diesem nicht paradoxen Zusammenhang liegt soviel selbstverschuldete wie tragische Kontinuität

— und zwar in einer Konzentration,
daß das sich davon angeekelt Abwenden als
gesunde menschliche Reaktion zu bezeichnen ist.

© Joachim Endemann (__EndemannVerlag__)


1 _ Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters, Band I: Es werde mehr Licht! Mehr Demokratie wagen in der Lobbykratie? Untersuchung über die Konsequenzen der bürgerlichen Real-Demokratie, Teilband 1: Die Benennung: Hintergrundausleuchtung zweier ideologischer Begriffe, zu denen zwar jeder etwas meint …, Kapitel 2: „Die eigentliche Bedeutung des Begriffs ‘soziale Marktwirtschaft’ oder Die umfassende Bedrohung humaner Kultur durch die neoliberale Doktrin

2 _ Die tri_logische Sezierung des lobbykratischen Zeitalters, Band III: „Ich stimme nicht zu!“ — Gesellschaftspolitische Lesungen über den Neowilhelmoliberalismus und seine Konsequenzen, Teilband 2, Vierter Teil: “Der Neowilhelmoliberalismus”, Lesung 16: “Die Ursprünge des Wilhelminismus’ und seine Konsequenzen.”

3 _ Vgl. a.a.O., Lesung 19: „Die Zerstörung des europäischen Einigungsprozesses durch Neoliberalismus und Neo_Wilhelminismus“, dort insbesondere die Seiten 622-65, beginnend mit: „Exemplarische Beispiele kontraproduktiver Konsequenzen deutscher Machtpolitik“.

4 _ Vgl. a.a.O., Lesung 18: “Das Europa des neowilhelministischen Hegemonen und seine Zukunft”, dort die Seite 572, beginnend mit: „Definition des Neowilhelmoliberalismus“, bzw. dort die Seiten 597-605, beginnend mit: „Anmerkungen zu den Konsequenzen des Neowilhelmoliberalismus’“.

5 _ Siehe Anmerkung 2.