Bildungsbürger_tum

Man muß kein Nietzsche-Experte sein

(_vielleicht ist das sogar ein Nachteil, da es sich ja um einen Menschen, bzw. um dessen — so etagenreiches wie statisch fragwürdiges — Gedanken-Gebäude handelt und nicht um die Beschaffenheit eines architektonischen Gebäudes, dem man sich un_voreingenommen begutachtend nähert_)

um Nietzsche als einen so lebensschwächlichen wie verlogenen Schwätzer zu erkennen, an dem also nichts von dem war, das er sich selbst zusprach: bspw. Aufrichtigkeit, und er somit selbst jener „häßlichste Mensch“ gewesen wäre, von dem er unter der Maske des Zarathustras redet: so sein Lebensschwächliches zu projizieren, wie alle Lebensschwächlinge es tun, also bspw. die Insassen von Staaten der Machteliten, so — geht aus Sicht ihrer Satelliten nichts mehr — diese „Heil“ im Faschismus suchen

_l a s s e n d_.

Denn dieser offenbar ein Mensch, der seine Aussagen aus der Perspektive seines autistischen Seins konstruiert, die deshalb ihm allein zugänglich sein könnten, wegen seines aphoristischen Denkens aber quasi kontinuierlich durch andere Gedankensplitter verdeckt wurden, und

_so_

seinem gerade aktuellen Denken
nicht einmal im Wege stehen konnten,
da er sie einfach vergaß,

oder,

falls doch,

im gerade passenden
Sinne zurechtdrehte.



Ist man selbst kein Nietzsche-Experte, hat aber einen nicht unbeträchtlichen Teil des disparaten Werkes des Herrn Nietzsche gelesen, ist die Kenntnis der diesbezüglich aufklärerischen Arbeit eines anderen Menschen, wenn nicht Bedingung, so doch von großem Vorteil, um eine relativ offene Einsicht in das interessierende Thema gewinnen zu können, da so die Chance besteht, daß die eigene Herangehensweise eine _relativ_ offene bleibt — wegen der fehlenden Scheuklappen eines Experten. Diese diesbezügliche Arbeit hat Dieter Just geleistet, allerdings nicht allein diesen Herrn betreffend.

Interessant für mich persönlich ist, erst jetzt um dessen Arbeit zu wissen. Und ich weiß nicht, ob ich mich freuen kann, meine eignen Aussagen nicht revidieren zu müssen. Allerdings bedeutet das nicht, daß ich manche der Aussagen Dieter Justs nicht selbst für fragwürdig hielte. Das genau nicht, aber genau darum geht es in diesem Zusammenhang nicht. Hingegen soll diese Bemerkung besagen, daß ich seine intensive Beschäftigung mit dem nationalgefühlsetzenden Denken der Vertreter der Deutschen Philosophie zu schätzen weiß. Schon allein deshalb, da sie aus meiner Sicht horizontöffnend ist und _so_ meine eigenen Überlegungen stützen kann



Nun, Nietzsche ist das eine.

Wie aber diejenigen benennen, die sich diesen reaktiven Autisten, da tatsächlicher Lebensschwächling, zum Vorbild nahmen und nehmen? Immerhin konnten und können sie das allein deshalb tun, da sie lediglich die ihnen passend erscheinenden Sätze

andere aber nicht,
also so, wie es in einem Supermarkt geschieht

dieses Aphoristikers nehmen und diese zu einem

selbstverständlich!

säuberlich gebundenen Strauß zusammenstellen. Allerdings taten das die Ideologen des Nazismus’ auch, bloß nahmen die andere Sätze

und, aus deren Sicht, andere eben nicht,
also so, wie es in einem Supermarkt geschieht

dieses sich nicht nur selbst gegensätzlich widersprechenden, sondern seine eigenen Aussagen derartig ins Absurde münden lassenden Psychotikers, daß er schließlich sein eigenes Denkvermögen vernichtete. Abgesehen davon, daß diese Ideologen mitunter vergaßen, die Quelle ihrer Ergüsse zu nennen, da es ihnen für ihre propagandistischen Zwecke nicht opportun erschien, dies zu tun, tauschten sie das Subjekt der von ihnen ausgewählten Gedanken_Ware aus dem etagenreichen Gedankengebäude dieses Psychotikers.

Irre ist aber weniger, daß Nietzsche ein Psychotiker war, sondern, daß Menschen, die selbst nicht nur als gesund, sondern sogar als groß gelten, bspw. ein Herr Karl Jaspers, der diesen bis zu dessen von diesem zauberlehrlinghaft konstruierten Gedankengebäude vernichteten Psychotiker als gesund bezeichnet und damit dessen sich quasi permanent widersprechendes Niedergeschriebenes als von hohem philosophischem Wert seiend dem öffentlichen Meinen übergeben hat: bis heute zum freien _Je-nachdem-Gebrauch_ bestimmt …

Nun, hier scheint etwas auf, daß normalerweise begrifflich ver_gedeckt ist. Beispielsweise von einem Begriff, der heutzutage zwar kaum noch verwendet wird, inhaltlich aber ungebrochen präsent ist: „Bildungsbürgertum“. … Da nicken alle: die einen so, die anderen anders … aber: alle nicken

… wissend?


Bildungsbürger_tum

Bildungsbürger sind bildungskanonisch Ge_zogene:

_Das_ ist „Kultur“! … Verstehst du _das_ zu zitieren, bist du „drin“, da erst _dann_ die andren Bildungskanonischen wissen, daß auch du „weißt“ … sozusagen

_g a r_

… _so_

bildungskanonisch zu_gehörig

… bil_dung_er_wachsen …

demnach:

ein Kultur_Nationaler!

… und so:

aus_weislich

kulturnations_zugehörig

… sprich:

ein aus_wendig
Ein_Gebildeter bist! …

_A b e r_ :

das in dir aus_gebildet Ein_Gebildete

_muß_

in den bildungskanonischen Rahmen passen. …

Wie sollte man sich andernfalls von anderen unterscheiden, sich nicht frühzeitig „distanzieren“ können, läßt da jemand _nicht_ spätestens nach dem dritten kurzen Satz etwas „Bildungskanonischorientierendes“ ver_lauten …

Beispielsweise:

„es ist gut,
daß die Menschen so
verschieden sind!“

Aller_dings

wäre aus dem jenseits des Bildungskanonischorientierenden Liegenden,

also:

dem scheuklappenfreien Off,

da_rauf mit der für Bildungskanonische nicht verständlichen Frage zu antworten leicht:

Wäre aber gerade solches „Bildungskanonischorientierende“ nichts andres als Ausdruck einer projektionistischen Neurose?

Denn,

aus bildungskanonischer Sicht,

wie anders wissen, wer dem Kreis der „bildungskanonisch ‘Wissenden’“ an_gehört? Andernfalls spräche der womöglich längst revolutionär, ließ der nicht nach,

wie gesagt,

spätestens dem dritten kurzen Satz bildungskanonisch Orientierendes

_ab_

… _was_

einen klassischen Bildungskanoniker

wo_möglich

un_bedacht

applaudieren ließe, da diesem,

ohne
_wenigstens_
einen kleinen
bildungskanonisch orientierenden
Hin_weis,

dessen Gesprochenes keiner Kopf-Schublade zu_ordbar möglich machte

… was

— ab_gesehen vom
gedanklich zerrüttend Wirkenden

seinen für _ihn_ vorgesehenen
karrieristischen Auf_Stieg

ab_schießend

tournieren ließe …

Oder anders ausge_drückt:

Jen_seits ihres sie letztlich identitäts_los lassenden abgesteckten Orientierungsrahmens sind Bildungskanonische gefährliche menschlich Reduzierte, also: psychische Krüppel. Vergleichbar mit denjenigen, die höchstens schwach auszumachen sind, da sie im Dunkeln sitzen, sind psychische Krüppel an ihrer physischen Oberfläche glatt. …

Was mag geschehen,

bestimmen solche Krüppel
die Geschicke des Menschengeschlechtes?

… Vielleicht schauten
_Sie_ sich einmal um? …

Immerhin ist das kein
Thema der Vergangenheit.

© Joachim Endemann (_EndemannVerlag_)